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Archive for 16. Juli 2012

Die linke und die rechte Seite

Seit einiger Zeit lese ich mit Interesse den Newsletter, den mir die Flyladies aus dem fernen Amerika schicken, um mich und meinen Haushalt „zum Fliegen“ zu bringen. Woche für Woche bekommt frau darin Tipps, wie sie ihr Chaos besiegt und eine glückliche Hausfrau wird, die Überraschungsbesuch jederzeit in ihr Haus bitten kann, ohne sich der darin befindlichen Unordnung und Verschmutzung schämen zu müssen.

Nun klingelt es zwar gelegenlich an meiner Tür, jedoch Überraschungsbesuch stand noch nie davor, meist ist es der Briefträger, der Paketbote oder der Nachbar, der immer dann Platz zum Rangieren für sein Auto braucht, wenn ich gerade mal gegenüber von seinem Grundstück parke. Dennoch kann auch ich gelegentlich ein paar Tipps für eine aufgeräumte Wohnung gut gebrauchen. Zudem trainiert das Lesen des Newsletter meinen amerikanisch-englischen Wortschatz und ich lerne eine Menge über die Lebensgewohnheiten amerikanischer (Haus)Frauen und ihrer DHs (dear husbands), DDs (dear daughters) and DSs (dear sons).

Jede Woche steht ein anderer Bereich des Hauses /der Wohnung im Focus und muss/soll/darf gereinigt, entmüllt, aufgeräumt werden. Diese Bereiche wiederholen sich ständig, dazu kommt eine monatliche „Sonderaufgabe“. Routine ist, wenn man den Flyladies glauben darf, das Zauberwort und das Heilmittel für bzw. gegen jegliche häusliche Unordnung.

In dieser Woche ist neben dem Badezimmer auch das Büro (zu Hause oder „auf Arbeit“) dran. Die Arbeitsanweisungen der Flyladies sind stets überschaubar und innerhalb von maximal 15 Minuten umsetzbar. Die heutige Anweisung für das Büro lautet:

Look on the left side of your computer and go through this pile and file it or toss it.

Also habe ich mir genau diese Seite meines Schreibtisches vorgenommen und ein wenig abgeheftet (file it) und ein wenig weggeworfen (toss it). Dazu habe ich diverses Leergut entsorgt und mehrere Kaffeebecher in die Spülmaschine gestellt. Einige Minuten später war ich mit der Arbeit des Tages fertig.

Schreibtisch „links“

Und morgen steht dann die rechte Schreibtischseite auf dem Programm. Die 15 Minuten werde ich trotz Reisevorbereitungen wohl erübrigen können und damit einen wohlgeordneten Schreibtisch mein eigen nennen, der bereit ist, nach den Ferien das Chaos des kommenden Schuljahres aufzunehmen.

Schreibtisch „rechts“

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Der Weinsommer ist das jährliche Hoffest unseres Lieblingswinzers, das wir jetzt schon seit einigen Jahren fast regelmäßig besuchen. Die Winzerfamilie organisiert ein buntes Programm mit Weinbergrundfahrt, Weinprobe, Kellerbesichtigung, Kaffee und Kuchen, Musik und Tanz. Es gibt Sitzplätze drinnen und draußen, und wenn das Wetter mitspielt, dann gehen die letzten Gäste erst am frühen Morgen nach Hause.

Auf dem Fest treffen Familie und Freunde der Winzerfamilie auf Kunden von nah und fern. Eine besonders große (und besonders laute) Reisegruppe kommt in jedem Jahr aus Wolfsburg, da der Winzer auf den dortigen Weinfesten regelmäßig vertreten ist. In diesem Jahr brachten die Wolfsburger einen Shanty-Chor mit, der die Gäste mehr als eine Stunde lang mit eher ortsuntypischen Weisen unterhielt.

Auf die zwei Stunden dauernde Weinprobe haben wir diesmal verzichtet, nicht jedoch auf eine Treckerfahrt in die Weinberge, deren Highlight eine Turmbesteigung war. Die Gemeinde Wörstadt hat diesen Turm erst vor kurzem gebaut, und er wurde an diesem Tag extra für uns bereits vor der offiziellen Einweihung geöffnet. Früher, als die Arbeit in den Weinbergen noch Handarbeit war, dienten solche Türme den Arbeitern als Schutz vor Unwettern und den Wengertschützen als Aufenthaltsort. Aufgabe der „Wengerter“ war es, Diebstähle von Trauben zu verhindern und Vögel und anderes Getier zu vertreiben. Dazu waren sie mit „Rätschen“ und Gewehren ausgestattet. Die Wengertschützen mussten von der Traubenreife bis zur Weinlese Tag und Nacht bei den Trauben sein. Versorgt wurden sie von ihren Ehefrauen, die ihnen Getränke und Essen auf den Berg brachten. Das notwendige Brennholz wurde von der Winzergemeinschaft zur Verfügung gestellt.

Auch wenn der Wind recht kräftig blies, sind wir dennoch hinaufgestiegen, um den tollen Ausblick über die Weinberge bis hin zum fernen Donnersberg, der höchsten Erhebung in der Pfalz (687 m) zu genießen.

Zurück auf dem Hof konnten wir gerade noch die letzten Stücke Schokoladensahnetorte vom Kuchenbuffet ergattern. So gestärkt zogen wir uns anschließend für eine kleine Erholungspause ins Hotel zurück, um für den Abend wieder fit zu sein.

Auch wenn das Fest erst am frühen Sonntagmorgen zu Ende ging, war die Winzerfamilie bereits am späten Vormittag mit den „Aufräumarbeiten“ fertig und begrüßte diejenigen, die vor der Heimreise noch Wein einkaufen und ein letztes Glas Sekt trinken wollten. Jetzt endlich durfte auch der Hofhund wieder sein Revier durchstreifen und begrüßte jeden Gast mit freundlichem Schwanzwedeln und einem Blick in den Kofferraum. Vielleicht ist er auch speziell ausgebildet, um den ungewollten Abtransport von Weinkisten zu verhindern?

Trotz des nicht immer (wein)sommerlichen Wetters und der besonders am Abend eher herbstlichen Temperaturen war es wieder einmal ein gelungenes Fest und ein schönes erstes Ferienwochenende.

*zum Vergrößern auf die Bilder klicken!

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Manche Leute geben ihren Häusern Namen. Besonders in den Feriengebieten an Nord- und Ostsee gibt es diesen Brauch. Da heißen die Pensionen „Haus Deichgraf“, „Haus Sanddorn“ oder „Haus Möve“.

Bei unserem Rundgang durch Koblenz ist mir auch ein Haus mit Namen aufgefallen. Der dort ansässige Mediziner ist allerdings kein Gynäkologe sondern Kieferorthopäde, und der Name des Hauses geht auch nicht auf ein Forschungsprojekt aus dem Bereich der Frauenheilkunde zurück sondern auf den Erbauer des Hauses, den Teppichhändler Armin Eierstock, der in diesem Haus 1954 sein Teppichgeschäft eröffnete.

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