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Archive for 12. März 2013

Der Dienstag ist der kürzeste Arbeitstag in der ganzen Woche und beginnt erst um viertel vor eins. Das heißt natürlich nicht, dass ich bis mittags im Bett liege und faulenze. Wie auch an den übrigen Wochentagen verkündet der Wecker um 6.30 Uhr das Ende der Nacht.

Aufgrund des Wintereinbruchs in NRW macht der Mann an meiner Seite zunächst ein wenig Frühsport und besorgt uns, nachdem er zuerst die Einfahrt und danach auch sein Auto von Schnee und Eis befreit hat, frische Brötchen zum Frühstück. Danach absolviere ich die übliche Verschönerungsrunde im Bad und begebe mich danach an meinen Schreibtisch. Eine Stunde später sind alle Vorabi-Klausuren korrigiert, die Bewertungsbögen ausgefüllt und unterschrieben, die Noten in die Kursliste eingetragen und alle Unterlagen bereit zur Rückgabe an die Schülerinnen und Schüler.

Eine weitere halbe Stunde verbringe ich mit Überlegungen zu den Abschlussnoten für alle KursteilnehmerInnen, die am kommenden Montag an das Oberstufenteam weitergeleitet werden müssen.

Danach ist Zeit für eine Runde im Internet, die eine oder andere Mail und regen SMS-Kontakt mit dem großen Kind, das zum Bewerbungsfoto-Shooting an den linken Niederrhein kommen möchte und meine Begleitung wünscht. Wir verabreden uns für 16.00 Uhr.

Während ich noch einige Unterlagen für die bevorstehenden zwei Unterrichtsstunden zusammenstelle, schneit es draußen weiter vor sich hin. Inzwischen hat die Schneedecke auf dem Balkon bereits eine beeindruckende Höhe erreicht und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Wahrscheinlich wird der Osterhase in diesem Jahr die Eier im Schnee verstecken. Das dürfte dann in etwa so aussehen:

Ein flauschig weiches Osternest

Ein flauschig weiches Osternest

Um kurz vor 12  schnüre ich meine Winterstiefel, ziehe die Handschuhe an und mache mich auf den Weg, mein Auto unter der Schneemütze hervorzuholen. Zum Glück ist der Schnee nicht angefroren, so dass ich mich einige Minuten später auf den Weg in die Schule machen kann. Unterwegs sind die Straßen meist schneefrei. Nur dort, wo der Wind ungehindert über niederrheinische Felder fegen kann, gibt es verschneite Fahrbahnabschnitte, die mit der entsprechenden Vorsicht passiert werden müssen. So dauert die Fahrt in die Schule heute länger als die sonst üblichen 15 Minuten.

Im Kopierraum treffe ich einen Kollegen, der sich darüber wundert, dass er „nur“ 7000 Kopien für ein ganzes Jahr in seinem Kopierkontingent hat. Von seiner alten Schule ist er keinerlei Einschränkungen gewohnt. Mein Kontingent beträgt 5800 Kopien, offensichtlich erhalten die Kolleginnen und Kollegen ihre persönliche Kopienzahl nach für mich bisher noch nicht ersichtlichen Kriterien zugeteilt. Ich nehme mir vor, dem Geheimnis bei Gelegenheit auf den Grund zu gehen.

In der ersten Unterrichtsstunde teile ich zunächst die Klausuren und danach zahlreiche Arbeitsblätter an die AbiturientInnen in meinem Grundkurs aus. Danach sprechen wir auf der Grundlage von Don Delillos Roman „Falling Man“ über die Ereignisse des 11. September 2001 und deren Auswirkungen für Amerika und für die Welt. Die SchülerInnen selber waren zu der Zeit Grundschüler und haben sehr unterschiedliche Erinnerungen an jenen Tag. Die meisten berichteten davon, dass sie verärgert waren, als sie nach der Rückkehr aus der Schule wegen der Berichterstattung über die Ereignisse in New York und Washington ihre gewohnten Fernsehsendungen nicht gucken durften. Ein Schüler berichtete, dass seine Grundschullehrerin zunächst mit ihren SchülerInnen über das Ereignis gesprochen habe und die Klasse anschließend Bilder gemalt hätte.

In der zweiten Unterrichtsstunde übe ich mit den Grundkursschülern der EF ein letztes Mal vor der Klausur in der kommenden Woche, wie man einen Brief adressatengerecht formuliert und die richtigen Zeitformen verwendet, um über die Vergangenheit zu berichten. Die SchülerInnen haben als Hausaufgabe fiktive Briefe geschrieben, die Miles, der Protagonist des Romans „Looking for Alaska“ von John Green, an seine verstorbene Freundin Alaska schreibt, für deren Tod er sich verantwortlich fühlt. Wieder einmal bin ich erfreut über die Schreibfreude meiner Schülerinnen und Schüler. Lediglich die sprachliche Umsetzung all ihrer kreativen Ideen macht vielen noch große Schwierigkeiten. Als der Gong das Ende der Stunde verkündet, sind leider noch längst nicht alle, die ihren Brief vorlesen wollten, zum Zuge gekommen. Hoffentlich bleibt die Begeisterung und Schreibfreude auch in der Qualifikationsphase erhalten. Dann dürfte die Arbeit, besonders in den Leistungskursen, eine Freude sein.

Die Rückfahrt nach Hause verläuft problemlos. Die Hauptstraßen sind schneefrei, lediglich auf den Nebenstraßen ist auch weiterhin Vorsicht geboten.

Das „große Kind“ kommt um 16 Uhr und vollendet das Styling fürs Fotoshooting vor dem Spiegel in meinem Badezimmer. Erst nach dem dritten Ansatz und durch den Einsatz eines Haushaltsgummirings gelingt die gewünschte Frisur. Eine große Portion Haarspray vollendet das Kunstwerk. Wir machen uns auf den Weg zum Fotografen, der innerhalb kurzer Zeit 10 verschiedene Porträts auf die Speicherkarte seiner Kamera bannt. Wir wählen eins aus und dürfen kurze Zeit später die fertigen Bewerbungsfotos mitnehmen. Die restlichen Bilder gibt es auf CD. Bei einem kurzen Bummel durch das nahegelegene Einkaufszentrum finde ich einen günstigen Blazer, und Mutter und Kind feiern den erfolgreichen Nachmittag bei Kaffee und einem Stück Kuchen im „Café Marzipan„.

Nach 2 Stunden sind wir wieder zurück und das „große Kind“ macht sich auf den Nachhauseweg.

Zum Abendessen gibt es Laugenbrezel, Fleischwurst und hartgekochte Eier mit HP-Sauce. Weder besonders gesund noch besonders kreativ und schon gar kein Foto wert.

Ich beende die Vorbereitungen für den morgigen Schultag mit dem Ausdruck einer Klassenarbeit für meine 7. Klasse, die am Donnerstag in den ersten beiden Stunden geschrieben wird. Die Sechstklässler werden morgen wieder enttäuscht sein, dass ich ihre Arbeit noch immer nicht korrigiert habe. Vielleicht schaffe ich es bis Freitag, denn dann kommen die Eltern zum Elternsprechtag und das Ergebnis einer Klassenarbeit kann meinen Lernempfehlungen manchmal ein wenig mehr Nachdruck verleihen.

Morgen beginnt die Arbeit wieder um 10 nach 8 und endet erst um 15 nach 3. Ganztagsschule eben.

Um 10 Uhr besucht mich ein Polizist. Warum erfahren Sie bestimmt morgen an dieser Stelle.

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Ich gestehe, ich mag Till Schweiger. Er sieht gut aus. Er ist ein guter Schauspieler. Er wirkt gelegentlich arrogant. Er nuschelt manchmal ein wenig. Trotzdem.

Den Tatort habe ich mir angeschaut, wie Millionen andere auch.

Sonntagabend. 20.17 Uhr. Gespanntes Warten auf das erste Auftreten des neuen Kommissars. Was werden seine ersten Worte in der ersten Folge sein?

Er sagt nur ein Wort, vier Buchstaben:  F.ck !

Nick Tschiller hätte sich gut mit Horst Schimanski verstanden, der war auch kein Freund von vielen Worten, hat gerne die Fäuste gebraucht.

Nur „F.ck !“ sagte man damals nicht, damals sagte man „Sch..ße!

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