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Archive for 13. März 2013

Schon wieder ein Tag vorbei, schon wieder Zeit für eine Antwort auf Frau Brüllens Frage „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Der Wecker meldet sich wie immer um 6.30 Uhr. Wie schon so oft wünsche ich mir, ich hätte ihn eine halbe Stunde früher gestellt, dann könnte ich mich vielleicht noch einmal auf die andere Seite drehen. So muss ich ziemlich zügig den Weg ins Bad antreten. Der Blick nach draußen zeigt „kein neuer Schnee“. Dass es „knackekalt“ ist, kann ich zum Glück nicht sehen.

Für das Frühstück sorgt der Mann an meiner Seite, so kann ich mich auf das Styling konzentrieren und mir ein winterliches Outfit heraussuchen. Der gestern erstandene Blazer kommt dabei zum ersten Mal zum Einsatz. Statt der gefütterten Stiefel müssen heute Stiefeletten für die kurzen Wege zum und vom Auto reichen.

Obwohl heute nur zwei verschiedene Klassen von mir unterrichtet werden müssen, lässt sich meine Schultasche nicht schließen. Buch, Workbook, Hörbuch-CD, Lehrerkalender, Portemonnaie, Stiftemäppchen, Folienstifte, ein zusätzliches Buch für die Vorbereitung der Abiturienten, die Mappe mit den Klausuren, die ich gestern nicht an den Mann bringen konnte, Kursmappen und diverse Mappen mit Arbeitsblättern, all das lässt meine Tasche fast aus den Nähten platzen. Es wird Zeit, dass ich die Blätter aus den Mappen sortiere und Überflüssiges entsorge und aktuell nicht mehr benötigte Blätter in Ordner hefte.

Um kurz nach halb acht verzichte ich auf weitere Versuche, die Tasche zu schließen und mache mich auf den Weg. Unter Vermeidung der vereisten Pfützen gehe ich zu meinem Auto und dabei zunächst in die falsche Richtung. Anders als sonst steht es heute nicht im Carport, darin parkt das Auto des Mannes, dessen Parkplatz am Straßenrand gestern vom „großen Kind“ genutzt wurde. Der Frost hat eine dünne Eisschicht auf allen Scheiben produziert, der Eiskratzer kommt zum Einsatz. Später als sonst, mache ich mich auf den Weg in die Schule und muss mich vor der Einfahrt zum Schulgelände in der Schlange hinten anstellen. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, es dauert eine Weile bis die zahlreichen Entladevorgänge abgeschlossen sind.

Auch wenn ich heute selber keine Kopien anfertigen muss, begleite ich eine Kollegin in den Kopierraum, um die Zeit für ein Gespräch über eine gemeinsame Schülerin zu nutzen. Wir machen uns Sorgen darüber, ob sie nach dem Ende der Erprobungsstufe noch weiter bei uns bleiben kann.

Mein Unterrichtsprogramm beginnt mit einer Doppelstunde Englisch in der 6. Klasse. Erneut muss ich die Frage nach der Rückgabe der Klassenarbeit verneinen. Wir beschäftigen uns stattdessen mit allerlei Fragesätzen und dem Thema „Keep fit“. Die SchülerInnen sind genervt, dass die Satzteilbestimmung aus dem Deutsch-, Latein- und Französichunterricht nun auch im Englischunterricht verlangt wird. Wir kämpfen mit Dativ- und Akkusativobjekten, mit Fragewörtern, die mal nach dem Subjekt und mal nach dem Objekt des Satzes fragen und Präpositionen, die völlig losgelöst am Ende eines Fragesatzes stehen. Wann brauchen wir noch mal „did“ und wann „does“? Kaum jemand will glauben, dass wir Fragesatztechniken bereits in der 5. Klasse gelernt und bei der Einführung jeder neuen Zeit immer wieder geübt haben. Zum Ende der Doppelstunde wird die Klasse sichtlich unruhiger, eine Deutscharbeit steht nach der Pause auf dem Programm, die Sorge um die richtige Verwendung von Relativsätzen verdrängt die englischen Fragewörter.

Nach der Pause treffe ich einen Polizeihauptkommissar, der mit mir den Ablauf des im Mai geplanten Verkehrssicherheitsprojekts „Crashkurs NRW“ bespricht. Kollegen, Schüler und Eltern müssen über diese Projekt informiert werden, das bereits in einigen anderen Schulen der Stadt erfolgreich durchgeführt wurde. Der Herr Kommissar verspricht mir Flyer und Poster, mit denen ich das Projekt in der nächsten Woche ankündigen kann und lässt mir ein Muster da. Auch einen QR-Code gibt es. Sie dürfen gerne scannen oder für mehr Info drauf klicken.

Crash-Kurs-NRW

Crash-Kurs-NRW

Nach der 2. großen Pause erwartet mich mein Englisch-Abiturkurs. Noch 5 Stunden, dann ist die Schulzeit für diesen Jahrgang vorbei. Einige werde ich erst wieder bei der Abiturzeugnisübergabe sehen, andere während der Klausuren. Zwei SchülerInnen werde ich mündlich prüfen. Wir erstellen die Charakterkonstellation in DeLillos Roman „Falling Man“ und versuchen die Frage zu beantworten, welche Bedeutung die Ereignisse des 11. September 2001 für das Leben der Protagonisten des Romans, aber auch für Amerika hatten.

Nach einer Förderstunde in der 6. Klasse endet für mich der Schultag.

Am Abend sind wir mit Freunden zum Gambas-Essen beim Portugiesen verabredet. Als wir um halb zehn das Lokal verlassen, bleiben die Schalen von 3 kg Gambas, eine leere Salatschüssel, zwei leere Wasserflaschen, drei leere Weinflaschen, diverse schmutzige Servietten und eine völlig bekleckerte Papiertischdecke zurück. Draußen ist eine dünne Schicht Neuschnee gefallen. Die Temperatur liegt bei -1 °C. Es ist immer noch Winter.

Während wir in Gambas schwelgen, haben die Kardinäle in Rom den neuen Papst gewählt. Franziskus I. wird nun für eine Weile das Oberhaupt der katholischen Kirche sein. Frau Merkel wünscht ihm „Gesundheit und Kraft“. Ich wünsche ihm Weisheit in seinen Entscheidungen und den Mut, sich auch mit unbequemen Aufgaben zu befassen. Es ist sicher nicht leicht, Papst im 21. Jahrhundert zu sein.

Als ich die letzten Sätze hier schreibe, hat der Drucker die Blätter für die morgige Klassenarbeit in der 7. Klasse fertig ausgedruckt. Ein weiterer Korrekturstapel kündigt sich an.

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Haben sie gewählt?

Nicht immer, wenn weißer Rauch aus einem schwarzen Schornstein kommt, bedeutet es, dass eine Papstwahl erfolgreich abgeschlossen wurde. Manchmal bedeutet es auch nur, dass die Heizung im Schulgebäude vorschriftsmäßig arbeitet.

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