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Archive for September 2013

Alles gut?

Ich treffe den Kollegen wie jeden Morgen auf dem Weg vom Kopiererraum zum Lehrerzimmer. Er sitzt dort an meinem Tisch. Er wirkt ein wenig müde. „Guten Morgen, alles gut?“, begrüße ich ihn wie so oft. „Nein“, antwortet er. „Wie?“, frage ich, „was ist los?“ Und dann erzählt er mir, dass sein Arzt ihn am Wochenende angerufen und um Rückruf unter seiner Privatnummer gebeten hat. Das gibt ihm kein gutes Gefühl. Er wird gleich in der Pause in der Praxis anrufen. „Ich drücke die Daumen, dass es nichts Schlimmes ist.“, sage ich, auch wenn ich befürchte, dass mein Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Dann gehen wir beide in den Unterricht.

Mittags lese ich, dass der Vertretungsplan geändert und der Kollege als abwesend eingetragen wurde. Auch am nächsten und übernächsten Tag ist er nicht in der Schule. Ich mache mir Gedanken, frage Kollegen seiner Fachschaft, die auch nichts wissen.

Gestern mittag klebt der Ausdruck einer Mail im Mitteilungsbuch, in der er das Kollegium informiert, dass er eine längere Zeit nicht da sein wird. Er schreibt diese Mail von seinem Tablet-PC aus der Universitätsklinik, wo er bereits mit einer Chemotherapie begonnen hat. Er möchte keinen Besuch. Er ist sicher, dass wir alle an ihn denken und ihm die Daumen drücken. Er wird sich melden, wenn er kann.

Alle, die diese Mail lesen, sind betroffen, ratlos. Er wollte in 18 Monaten in den vorzeitigen Ruhestand gehen, ein Leben nach der Schule beginnen.

Jetzt ist nichts gut und ob es wieder gut wird, kann noch niemand sagen.

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Loop

In der letzten Woche ließ ich mich von der Auslage im Handarbeitsgeschäft des Nachbarstädtchens zum Kauf von 300 Metern Garn und einer dicken silbernen Nadel verführen und nun stricke ich linke und rechte Maschen in endlosen Runden, bis ein warmer Schal fertig ist. Auch wenn die Temperaturen zur Zeit noch gut zweistellig sind – der nächste Winter kommt bestimmt.

Stricken für den Winter

Stricken für den Winter

Mich ärgert, dass bei zwei Wollknäueln der Faden auf der Lauflänge von 50 Metern zwei Mal angeknotet war und ich den Knoten herausschneiden und den Faden neu anstricken musste. Lästig oder Grund zur Reklamation?

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Am letzten Mittwoch habe ich 18 SchülerInnen in meinem Englisch-LK gebeten, mir eine Mail an meine (Schul-)Adresse zu schicken, damit ich einen Verteiler für Arbeitsblätter und Zusatzmaterialien einrichten kann. Heute morgen habe ich den Kurs wiedergesehen und hatte gerade einmal  5 Mails in meinem Postfach. Nach nochmaliger Erläuterung von Sinn und Zweck dieses Verfahrens (Nein, wir können die Materialien nicht per Facebook austauschen!) erhielt ich bis heute, 20 Uhr, weitere 7 Mails. Ich bin gespannt, ob bis morgen früh noch welche dazu kommen und mit welcher Ausrede mir die restlichen SchülerInnen das Fehlen ihrer Mail erklären werden. (Nein, ich werde keine Liste herumgehen lassen, in die jede/r die Adresse eintragen kann, die ich dann mühsam in mein Adressbuch eintippe!)

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Deal

Gerade habe ich meinen Mobilfunkvertrag beim alten Anbieter um weitere 24 Monate verlängert. Zu meinen Wunschkonditionen. 5 € Bestandskundenrabatt pro Monat und 100 € Treueprämie, verteilt auf 20 Monate. Die restlichen 4 Monate – let’s wait and see. Ein frühzeitiges Kündigungsschreiben wirkt da manchmal Wunder. 😉

Der Mitarbeiter ist überzeugt, dass ich von den Vertragskonditionen und den Rabattierungen so begeistert bin, dass ich nicht von meinem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen werde.

Und er ist darüber hinaus überzeugt, dass ich das Verkaufsgespräch und das Unternehmen im Online-Fragebogen mit 10 Punkten bewerten werde.

Ganz schön selbstbewusst, Herr W…mann. Wenn Sie dafür sorgen, dass meine Daten auch in Zukunft nicht vom Server Ihres Unternehmens gestohlen werden, dann schau ich mal, was ich für Sie tun kann.

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Das Telefon klingelt, „das große Kind“ ruft an. Es befindet sich auf der Heimfahrt von einem Job in Aachen und fragt, ob es auf dem Heimweg vorbeikommen soll. Ich könne das neue Outfit bewundern, das sie vor einigen Tagen zusammen mit der „kleinen Schwester“ erstanden hat, Ich freue mich und verspreche einen Kaffee.

Eine Weile später klingelt das Telefon erneut. Wieder „das große Kind“, jetzt nur noch wenige Minuten entfernt.

Ich habe Hunger.“ (Das Mutterhirn arbeitet fieberhaft an einer Lösung) „Ich habe Hühnersuppe im Kühlschrank.“ „Ach nee, keine Hühnersuppe. Suppe hatte ich gestern. Kannst du Waffeln machen?“ („Och nee„, sagt der faule Hund in mir. „Hab ich alle Zutaten im Haus? Milch, Eier, Mehl, Kirschen, Sahne …“ denkt das Mutterhirn und versucht sich an ein schnelles Rezept für knusprige Waffeln zu erinnern.)

Das Kind kommt wenig später, wir rühren, schlagen, backen, probieren Waffel Nr. 1 und genießen Waffel Nr. 2 bis 5.

Waffeln

Aber bitte mit Sahne

Der restliche Teig reicht für Waffel Nr. 6 bis 9, die eigentlich am nächsten Tag im Toaster aufgefrischt werden sollten. Doch als der Mann an meiner Seite früher als sonst von der Arbeit kommt und Nr. 6 und 7 verspeist und das Kind Nr. 8 „ohne alles“ vernascht hat, bleibt nur noch Mr. Pacman einsam auf dem Tischset zurück.

schnapp ... schnapp

schnapp … schnapp

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Ich habe meinen Mobilfunkvertrag gekündigt. Viele Jahre schon telefoniere ich über den selben Anbieter, nutze immer die selbe Mobilnummer. Gekündigt habe ich schon mehrfach und mich immer wieder überreden lassen, meinen Vertrag zu verlängern. Auch diesmal versucht man, mich mit Sondervergünstigungen und Treuerabatten bei der Stange zu halten. Ich bin unentschlossen. Eigentlich bin ich ein treuer Kunde. Doch lohnt sich diese Treue überhaupt noch?

Was habe ich davon, wenn ich meinen Vertrag um ein weiteres Jahr (oder zwei?) verlängere? Ein neues Smartphone brauche ich nicht. Was ich brauche sind reichlich SMS, ein wenig Datenvolumen und ein paar Freiminuten. Mein neuer DSL-Anbieter möchte mich auch als Mobilfunk-Kundin gewinnen und bietet 100 Min / 500 MB Datenvolumen / 100 SMS (begrenzt auf 2 Jahre) für 9,99 €. Die Kundenrückgewinnung beim alten Anbieter winkt mit 300 Min / 300 MB / SMS Flat (unbegrenzt?) für 14,99 €.

Luxusproblem, ich weiß.

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lästig, aber unvermeidbar

lästig, aber unvermeidbar

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13 Vokabeln sollten gelernt werden und müssen natürlich auch abgefragt werden. Da die meisten SchülerInnen aus der Grundschule noch keine Vokabeltests kennen, gibt es eine Generalprobe. Zwei dürfen an die Tafel, ein Junge und ein Mädchen wähle ich aus den vielen Freiwilligen aus. Die Anderen nehmen ein Blatt aus dem Collegeblock, knicken es längs, schreiben ihren Namen und das Datum darauf, nummerieren zehn Zeilen und schon kann es losgehen. Ich erkläre, dass ich ein deutsches Wort sagen werde und jeder und jede das entsprechende englische Wort in die linke Spalte neben die entsprechende Ziffer schreiben wird.  Norbert Nervensäge meldet sich: „Müssen wir auch das deutsche Wort schreiben?“ Ommmhh … Ich gebe die Frage an die Klasse weiter und ein Mitschüler wiederholt meine Erklärung fehlerfrei. Danke. Noch Fragen? „Was machen wir mit der rechten Spalte?“ „Die bleibt frei – für die Korrektur.“ Nun aber, let’s get started, die beiden Kandidaten hinter der Tafel werden schon unruhig.

Kurze Zeit später haben alle ihre zehn Wörter mehr oder weniger richtig zu Papier gebracht und wir klappen die Tafelseiten auf und betrachten das Ergebnis. Die Vertreterin der Mädchen hat 11 von 12 Punkten erreicht (es gibt für jedes richtige Wort einen Punkt, für einen kleinen Satz zwei Punkte) und ist zu Recht stolz, der Vertreter der Jungen hat nur knapp die Hälfte der Punkte erreicht und bleibt dennoch entspannt. Ist ja nur Generalprobe. Ich erkläre, dass man die Hälfte der Punkte für ein „ausreichend“ erreichen muss und nenne Noten für verschiedene Punktergebnisse und kündige den „richtigen“ Test für den nächsten Tag in der 1. Stunde an. „Richtig mit Noten?“ „Klar!“

Nach dem Unterricht stehen zwei kleine, schüchterne Mädchen händchenhaltend vor mir. Sie kommen mit dem Bus aus dem benachbarten Stadtteil und haben nun Angst, der Bus könne ausgerechnend morgen früh verspätet und sie deshalb nicht pünktlich für den Test im Klassenraum sein. Ich verspreche mit dem Test zu warten, bis auch die Buskinder eingetroffen sind. Erleichterung. Bestimmt werden diese beiden Mädchen morgen überpünktlich das Haus verlassen, um ja nicht den ersten Vokabeltest ihres Lebens zu versäumen.

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Das erste Tafelbild für die neuen 5er und gleichzeitig mein Einstieg in die erste Englischstunde. Wenn Sie sich über die geheimnisvollen Ziffern an manchen Wörtern wundern – diese markieren Wörter, die alle später abschreiben und lernen mussten. Die anderen Wörter stehen auf der rechten Tafelseite, traditionell die Seite, auf der ich seit meiner Lehrerausbildung in jeder Stunde neuen Wortschatz notiere, auch noch in der Oberstufe.

Welcome to our 1st English lesson

Welcome to our 1st English lesson

Erwartete Antwort auf die Frage „Are you ready to start?“ ist natürlich „Yes, we are!“ Die Antwort bekam ich ohne Üben, danke an die EnglischlehrerInnen der Grundschule. Sie wird in Zukunft zum Begrüßungsritual vor der Englischstunde gehören.

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Wenn Sie schulpflichtige Kinder haben, dann kennen Sie das. Die Schule leiht zu Beginn des neuen Schuljahres zahlreiche Fachbücher an die SchülerInnen aus mit der Bitte, diese pfleglich zu behandeln, damit auch der 4. und 5. Nutzer noch ein ansehnliches Buch bekommt, mit dem er oder sie vernünftig arbeiten kann. Wir wünschen uns einen Schutzumschlag, doch können wir niemanden dazu zwingen, einen solchen zu kaufen. So kommt es, dass so manches Buch ohne schützenden Umschlag bleibt und der eine oder andere Fünftklässler traurig vor mir steht, mir ein Buch mit zerfranstem Einband, geknickten Ecken und gelegentlich sogar gewellten Seiten zeigt und um ein anderes, besser erhaltenes Buch bittet. Manchmal kann ich dieser Bitte nachkommen, aber nicht immer. Da macht es mich besonders ärgerlich, wenn Norbert Nervensäge aus der ersten Reihe, der ein nagelneues Buch ergattert hat, dieses noch ohne Schutzumschlag in einen viel zu kleinen Rucksack stopft und auf meine Bitte, sorgfältiger damit umzugehen und es mit einem Umschlag zu versehen, mit einem „Wieso das denn?“ reagiert. Natürlich reagiere ich freundlich, gelassen und pädagogisch angemessen „Weil ich das sage, du Nase!“ und erkläre ihm mit Hinweis auf den Stempel vorne im Buch, dass (rein theoretisch) nach ihm noch vier weitere Fünftklässler dieses Buch benutzen müssen. Und zeige ihm das Buch, dass sein Klassenkamerad gerade bei mir reklamiert hat. Ob es ihn zu einem pfleglicheren Umgang mit seinem Buch veranlassen wird? Ich hoffe es.

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