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Archive for September 2013

13 Vokabeln sollten gelernt werden und müssen natürlich auch abgefragt werden. Da die meisten SchülerInnen aus der Grundschule noch keine Vokabeltests kennen, gibt es eine Generalprobe. Zwei dürfen an die Tafel, ein Junge und ein Mädchen wähle ich aus den vielen Freiwilligen aus. Die Anderen nehmen ein Blatt aus dem Collegeblock, knicken es längs, schreiben ihren Namen und das Datum darauf, nummerieren zehn Zeilen und schon kann es losgehen. Ich erkläre, dass ich ein deutsches Wort sagen werde und jeder und jede das entsprechende englische Wort in die linke Spalte neben die entsprechende Ziffer schreiben wird.  Norbert Nervensäge meldet sich: „Müssen wir auch das deutsche Wort schreiben?“ Ommmhh … Ich gebe die Frage an die Klasse weiter und ein Mitschüler wiederholt meine Erklärung fehlerfrei. Danke. Noch Fragen? „Was machen wir mit der rechten Spalte?“ „Die bleibt frei – für die Korrektur.“ Nun aber, let’s get started, die beiden Kandidaten hinter der Tafel werden schon unruhig.

Kurze Zeit später haben alle ihre zehn Wörter mehr oder weniger richtig zu Papier gebracht und wir klappen die Tafelseiten auf und betrachten das Ergebnis. Die Vertreterin der Mädchen hat 11 von 12 Punkten erreicht (es gibt für jedes richtige Wort einen Punkt, für einen kleinen Satz zwei Punkte) und ist zu Recht stolz, der Vertreter der Jungen hat nur knapp die Hälfte der Punkte erreicht und bleibt dennoch entspannt. Ist ja nur Generalprobe. Ich erkläre, dass man die Hälfte der Punkte für ein „ausreichend“ erreichen muss und nenne Noten für verschiedene Punktergebnisse und kündige den „richtigen“ Test für den nächsten Tag in der 1. Stunde an. „Richtig mit Noten?“ „Klar!“

Nach dem Unterricht stehen zwei kleine, schüchterne Mädchen händchenhaltend vor mir. Sie kommen mit dem Bus aus dem benachbarten Stadtteil und haben nun Angst, der Bus könne ausgerechnend morgen früh verspätet und sie deshalb nicht pünktlich für den Test im Klassenraum sein. Ich verspreche mit dem Test zu warten, bis auch die Buskinder eingetroffen sind. Erleichterung. Bestimmt werden diese beiden Mädchen morgen überpünktlich das Haus verlassen, um ja nicht den ersten Vokabeltest ihres Lebens zu versäumen.

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Das erste Tafelbild für die neuen 5er und gleichzeitig mein Einstieg in die erste Englischstunde. Wenn Sie sich über die geheimnisvollen Ziffern an manchen Wörtern wundern – diese markieren Wörter, die alle später abschreiben und lernen mussten. Die anderen Wörter stehen auf der rechten Tafelseite, traditionell die Seite, auf der ich seit meiner Lehrerausbildung in jeder Stunde neuen Wortschatz notiere, auch noch in der Oberstufe.

Welcome to our 1st English lesson

Welcome to our 1st English lesson

Erwartete Antwort auf die Frage „Are you ready to start?“ ist natürlich „Yes, we are!“ Die Antwort bekam ich ohne Üben, danke an die EnglischlehrerInnen der Grundschule. Sie wird in Zukunft zum Begrüßungsritual vor der Englischstunde gehören.

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Wenn Sie schulpflichtige Kinder haben, dann kennen Sie das. Die Schule leiht zu Beginn des neuen Schuljahres zahlreiche Fachbücher an die SchülerInnen aus mit der Bitte, diese pfleglich zu behandeln, damit auch der 4. und 5. Nutzer noch ein ansehnliches Buch bekommt, mit dem er oder sie vernünftig arbeiten kann. Wir wünschen uns einen Schutzumschlag, doch können wir niemanden dazu zwingen, einen solchen zu kaufen. So kommt es, dass so manches Buch ohne schützenden Umschlag bleibt und der eine oder andere Fünftklässler traurig vor mir steht, mir ein Buch mit zerfranstem Einband, geknickten Ecken und gelegentlich sogar gewellten Seiten zeigt und um ein anderes, besser erhaltenes Buch bittet. Manchmal kann ich dieser Bitte nachkommen, aber nicht immer. Da macht es mich besonders ärgerlich, wenn Norbert Nervensäge aus der ersten Reihe, der ein nagelneues Buch ergattert hat, dieses noch ohne Schutzumschlag in einen viel zu kleinen Rucksack stopft und auf meine Bitte, sorgfältiger damit umzugehen und es mit einem Umschlag zu versehen, mit einem „Wieso das denn?“ reagiert. Natürlich reagiere ich freundlich, gelassen und pädagogisch angemessen „Weil ich das sage, du Nase!“ und erkläre ihm mit Hinweis auf den Stempel vorne im Buch, dass (rein theoretisch) nach ihm noch vier weitere Fünftklässler dieses Buch benutzen müssen. Und zeige ihm das Buch, dass sein Klassenkamerad gerade bei mir reklamiert hat. Ob es ihn zu einem pfleglicheren Umgang mit seinem Buch veranlassen wird? Ich hoffe es.

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Heute war es so weit, ich durfte endlich „meine“ neuen 5er kennenlernen. Es gab wenig Begeisterung von Schülerseite, was u.a. daran liegt, dass Englisch am Gymnasium nichts Besonderes mehr ist. Englisch kennen alle aus der Grundschule, haben meist im 1. Schuljahr damit begonnen. Sie verstehen das meiste von dem, was ich sage, das ist angenehm. So lesen sie den Steckbrief von Tom Tiny, der Schulbuch-Maus, und schreiben ihn danach von der Folie ab.. Auch ein paar Informationen über die eigene Person haben die meisten schnell formuliert: My name is … I’m from … I’m … [years old]. I’m a girl/boy. I’m a pupil at … I’m in Year 5. Also eigentlich alles gut und dennoch …

Bereits nach wenigen Minuten finde ich heraus, dass Norbert Nervensäge in der ersten Reihe lieber mit seinem Füller spielt als mir zuzuhören, um dann, wenn alle mit der Arbeit begonnen haben, noch einmal nach dem zu fragen, was ich kurz zuvor für alle erklärt habe. Tina Traurig bricht genau in dem Moment in Tränen aus, als sie sich auf Englisch vorstellen soll. Später schafft sie es doch, die wenigen Sätze fehlerfrei und sauber in ihr Übungsheft abzuschreiben. Ob sie Englisch auch sprechen kann, muss ich noch herausfinden.  Paul Pummelig kann gar nicht richtig mitarbeiten, weil er weder ein Workbook noch einen Schnellhefter dabei hat. Er verspricht, die Arbeit zu Hause nachzuholen. Mal sehen, was daraus wird. Ich trage vorsichtshalber das Fehlen seines Arbeitsmaterials in den Planer ein.

Für das gemeinsame Singen von „Let’s get started“ (mit CD-Unterstützung) bleibt am Ende der Stunde keine Zeit mehr, also verschiebe ich dieses „Highlight“ auf morgen.

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Mein erster Montag in diesem Schuljahr. Er beginnt früh und ist dafür schnell wieder vorbei. In meinem LK sind alle nahezu pünktlich. Ich erfahre, dass ein Schüler den LK gewechselt hat, bleiben 20 SchülerInnen. Diese lesen ihre Hausaufgaben zum Thema „What does it mean to be British?“ vor. Ich mache mir Notizen, inhaltlich und sprachlich. Hier eine Auswahl von dem, was als „typically British“ gesehen wird:

polite – good manners – strange humour – get a sunburn easily – get drunk in holidays – like sausages for breakfast – have teatime at 5 o’clock – have a Queen – drive on the left – lots of immigrants – line up in queues …

Frida Fleißig nennt die BBC als „typically British“, worauf sich folgender Dialog ergibt:

What’s the BBC?“

radio and television

And what do the letters B-B-C stand for?“

Daraufhin Ludwig Lustig ganz spontan: „Barbecue?“

Er hat die Lacher auf seiner Seite.

Wahrscheinlich war er mit seinen Gedanken noch beim BBQ am Wochenende und hatte keine Gelegenheit, Sendungen der British Broadcasting Corporation im Fernsehen zu verfolgen.

In der Übungsstunde in Klasse 7 versuche ich Fridolin Faulpelz davon zu überzeugen, dass er seinen Bleistift anspitzen muss, wenn er einen Graphen ins Matheheft zeichnen will, aus dem man den Wasserstand zu einer bestimmten Uhrzeit des Tages ablesen kann. Er verwendet dafür einen dicken Erstklässler-Bleistiftstummel von 2 cm Länge. Zum Radieren nimmt er Knete. Dafür benutzt er jedoch, anders als im letzten Schuljahr, zum Schreiben einen Füller . Der verweigert kurz darauf die Arbeit, wird durch Schütteln reanimiert und hinterlässt als Zeichen seiner Einsatzbereitschaft einen dicken Tintenklecks im Heft. Ich rege mich auf, Fridolin Faulpelz bleibt gelassen.

Auf der anderen Seite der Klasse schiebt Willy Widerwort gerade geruhsam Bleistift um Bleistift durch die mitgebrachte Anspitzmaschine vom blau-gelben Discounter. Den Graphen hat er noch nicht gezeichnet, lieber erklärt er seinem Nachbarn und mir, wie sich die Maschine einstellen lässt. Interessant, aber für die Mathe-Übungsaufgaben nicht zielführend. Hoffentlich entschuldigt er die fehlenden Aufgabe bei der Kollegin nicht mit dem Hinweis, er habe Frau Ladybird die Anspitzmaschine erklären müssen.

Im hinteren Bereich der Klasse werden derweil Verkaufsgeschäfte getätigt. Für 20 Cent bietet Carlo Clever kleine Portionen seines 100er Päckchens Trennstreifen für den Englischordner an. Die Geschäfte gehen gut.

Um halb 12 darf ich schon wieder nach Hause fahren und bereite eifrig die ersten beiden Stunden in der 5b vor, die ich morgen zum ersten Mal begrüßen werde.

Let’s get started! Hooray!

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Frau Brüllen will es mal wieder wissen. Und gerne schildere ich meinen „Fünften“ im September.

Ich stehe zur gewohnten „Schulzeit“ um 6.20 Uhr auf und absolviere das übliche Programm, sie wissen schon, waschen, schminken, frisieren, anziehen, während der Mann im Haus das Frühstück bereitet.

Um 7.30 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Schule, wo mich im Kopierraum bereits ein Riesenandrang erwartet und ich gut zehn Minuten warten muss, bis ich eine Folie mit den 50 Staaten der USA und ihren Hauptstädten für meinen Englischunterricht in „meiner 8“ kopieren kann.

Die SchülerInnen reagieren überrascht, mich bereits in der ersten Stunde zu sehen, sie hatten den Mathelehrer erwartet. Doch der ist für eine Stunde in einer der neuen fünften Klassen eingeteilt und ich „darf“ ihn vertreten.

Nachdem ich einen funktionierenden Overhead-Projektor gefunden habe, kann ich meine Folie präsentieren und wir vergnügen uns mit der Aussprache der Staaten, die nicht immer selbsterklärend ist. Zum Beispiel „Illinois“ und „Arkansas“ ohne „s“ am Ende, dafür „Massachussets“ mit reichlich „s“ und „tsch“ und „sch“ und „ts“ und was es da noch an Unregelmäßigkeiten gibt.

Gleichzeitig lernen wir, dass Baumwolle eine Pflanze ist, die im Englischen „cotton“ heißt und in flauschigen, weißen Bällen an der Pflanze wächst, bevor sie gepflückt, gekämmt, zu Fäden gesponnen und gefärbt wird, damit daraus T-shirts und Hosen entstehen können, in die ein Schildchen mit „100 % Cotton“ eingenäht ist. Ach sooooooo …

Wir lernen auch, dass in Texas Cowboys auf Pferden reiten und Tiere fangen, die entweder „cow“ oder „bull“ oder mit Sammelnamen „cattle“ und nicht „meat“ heißen. Ach wie romantisch …

Wir finden heraus, dass die „Rocky Mountains“ kein Staat sondern ein Gebirge und  „Silicon Valley“ kein Tal sondern eine Firmenstadt und die Wiege der Computer und Spielplatz von Bill Gates & Friends sind. Ach wirklich?

In den kommenden 14 Tagen wird jede und jeder einen Staat aus der Liste auswählen und eine kurze, interessante Präsentation vorbereiten. Muss jeder vortragen??? – Jaaaaa!!

Am Nachmittag kommt „das große Kind“ und wir lesen ihre Masterarbeit Korrektur. Es gibt schon viele Seiten und ein Ende ist definitiv abzusehen. Dennoch ist das Kind unzufrieden und sucht nach Ablenkung: Masterarbeit ist doof! – Gibt es was zu essen?

Teilchen auf dem Balkon

Teilchen auf dem Balkon

Tea for Two

Tea for Two

Der Rest des Tages und des Abends wird im Zeichen der Vorbereitung des morgigen Schultages stehen. Der lange Freitag mit zweimal Doppelstunde Geschichtsunterricht. Ich freue mich nicht wirklich darauf.

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Gestern hat die Schule wieder angefangen und ich „durfte“ gleich bis viertel nach drei bleiben.

„Meine 7“ ist jetzt „meine 8“, viel geändert hat sich im Verhalten der SchülerInnen nicht, es ist angesagt, die kurze Leine auch weiterhin kurz zu halten. Thema des Schuljahres wird Amerika sein und ich werde wieder einmal wie ein Blinder von der Farbe rede, da ich dieses Land nur aus den Lehrerhandreichungen oder den Medien kenne. Und irgendwie möchte ich auch nicht wirklich etwas daran ändern und meinen Erfahrungsstand lieber auf Neuseeland, Australien und Südafrika ausdehnen.

Besonders freue ich mich, dass ich einen Leistungskurs unterrichten darf und auch Englischunterricht in einer fünften Klasse erteilen werde. Die „Fünfer“ waren gestern nur kurz in der Schule, wurden von der Schulleitung begrüßt, vom Chor besungen und vom Klassenlehrerteam in Empfang genommen und fotografiert. Danach ließen sie alle gemeinsam einen Luftballon mit ihren Wünschen für die Schulzeit in den Himmel steigen und durften wieder nach Hause gehen. Bei wunderschönem Sonnenschein waren die Ballons noch lange am Himmel zu sehen. Mögen ihre Wünsche in Erfüllung gehen.

Beim Blick auf meinen Stundenplan erweist sich der Freitag als der unangenehmste Tag. Er beginnt zur ersten Stunde und endet um viertel nach drei nach zwei Stunden Geschichte-Zusatzkurs mit den kommenden Abiturienten. Da sitzen dann 30 Menschen in einem Raum, die Begeisterung hält sich in Grenzen und Lehrerin und SchülerInnen haben eins gemeinsam: sie wünschen sich, das Wochenende möge bald beginnen.

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