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Archive for 16. April 2015

Heute Morgen, 9 Uhr Ortszeit. Während auf den Straßen die Polizei damit beschäftigt ist, Fotos von Autofahrern zu machen, blicken viele Schüler und Lehrer gebannt auf braue Umschläge, in denen sich die Abituraufgaben für das Fach Englisch verbergen. Zwei verschiedene Vorschläge befinden sich in den Umschlägen, die von der Schulleitung getrennt nach Grundkurs und Leistungskurs geöffnet werden. Lehrer erhalten einen separten Umschlag mit den „Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen„, den sogenannten „Erwartungshorizont„.

Abi-Umschlag

Während einer 30-minütigen Auswahlzeit entscheiden sich LK-Schüler, ob sie sich mit der Frage „How India became America“ auseinandersetzen oder ein Gedicht eines zeitgenössischen britischen Dichters analysieren. GK-Schüler haben die Wahl zwischen einem Vergleich kommunikativer Strategien in einer politischen Rede mit der Darstellungsabsicht eines politischen Cartoons oder einer  Beschreibung von Charakterkonstellationen in der Eröffnungsszene von „Little Miss Sunshine„.

Bei den Prüflingen aus meinem Leistungskurs verkürzt sich die Auswahlzeit meist auf wenige Sekunden: Text anschauen, Gedicht sehen, zur Seite legen, Sachtext bearbeiten. Einige lesen zumindest die ersten Zeilen des Gedichts, bevor sie zum Sachtext greifen. Ganz wenige arbeiten mit einem Textmarker, schlagen Wörter im Wörterbuch nach und entscheiden sich dann doch für den Sachtext.

Gegen Ende meiner Aufsichtszeit im Prüfungsraum gehe ich noch einmal durch die Reihen und stelle fest, dass wohl niemand das Gedicht analysieren wird.

Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.

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