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Archive for 3. Juni 2016

Zu Beginn einer jeden Unterrichtsstunde kontrolliere ich die Anwesenheit und zeichne die mir vorgelegten Entschuldigungen ab. Dabei muss ich genau nachhalten, ob der/die Schüler/in Attestpflicht hat oder gar einen sogenannten „Laufzettel“ unterschreiben lassen muss. Schüler N. hat Attestpflicht. Ich darf seine Fehlstunden nur dann entschuldigen, wenn die Jahrgangsstufenleitung zuvor seinen Entschuldigungszettel mit „Attest liegt vor“ abgezeichnet hat.

Heute ist er schon einige Minuten vor Stundenbeginn im Kursraum. „Ich hätte da mal eine Frage wegen letztem Dienstag.“ Ich schaue in mein Kursheft und sehe, dass N. an diesem Tag gefehlt hat. Wir hatten Unterricht in der 5. und 6. Stunde. „Ich bin nämlich nach Hause gefahren. Weil wir haben einen neuen Hund. Und als ich dann losgehen wollte, kam das Unwetter. Und da konnte ich keinen Schirm nehmen.

Der Schüler macht eine Sprechpause … wird er mir jetzt erzählen, er habe nicht kommen können, weil der neue Hund Angst vor Unwetter hat? Oder weil der sich erschreckt, wenn er N. mit einem Schirm sieht? Oder weil der Hund vor der Tür lag, hinter der der Schirm war?

Bevor ich weiter Überlegungen anstellen kann, spricht er weiter. „Wegen dem Gewitter. Da hatte ich zu viel Angst. Wegen dem Schirm. Ich weiß nicht, ob Sie das entschuldigen.

Ich weiß es auch nicht, die Geschichte ist schon viel zu verworren, um nur eine Ausrede zu sein. Doch ohne Attest darf ich Fehlstunden nicht entschuldigen. Wird er einen Arzt finden, der ihm „Angst vor Unwetter“ bescheinigt? Vielleicht kann er auch ein Attest vom Tierarzt bekommen, der ihm bestätigt, dass er sich dringend um den neuen Hund kümmern musste, weil der Angst vor Gewitter hat. Mal sehen, wie die Jahrgangsstufenleitung entscheidet, wenn er dort seine Hunde-Schirm-Unwetter-Geschichte vorträgt.

Auf jeden Fall rangiert die Geschichte auf der Skala der fantasievollen Entschuldigungen ganz weit oben.

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