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Archive for the ‘Geschichtliches’ Category

Ich kann keine Politik!“, antwortet die Schülerin auf meine Frage, warum Sie sich in der Geschichtsstunde nicht am Unterrichtsgespräch beteiligt hat. Sie meint damit, dass Sie nicht weiß, welche Aufgaben der Premierminister in Großbritannien hat oder wie sich das dortige Parlament zusammensetzt. Auch sind ihr die Abkürzungen CDU, CSU, SPD, FDP, KPD, SED ein Rätsel. Sie ist 15, in einem Jahr kann sie wählen in NRW. Ich sage ihr das und sie reagiert erschreckt: „Ich wähle doch nicht!“ Ich frage, warum nicht. „Ich hab doch keine Ahnung!“ Nun, dann ist es eigentlich gut, dass Sie nicht wählt, oder? Auf meine Frage, wie Sie denn dafür sorgen will, dass Ihre Interessen in der Politik vertreten werden, sagt sie … nichts.

Diese Schülerin geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums. Sie möchte 2016 das Abitur machen. Sie hört im Unterricht zu und redet nur selten mit ihren Nachbarinnen. Sie schreibt das Tafelbild sauber ab. Sie erledigt die Hausaufgaben, wenn es darum geht, Inhalte zusammenzufassen. Meist schreibt sie dabei längere Passagen aus dem Text ab, besonders wenn Wörter darin vorkommen, die sie nicht versteht. Sie kann Lehrbuchtexte weitgehend flüssig vorlesen. Sie fehlt so gut wie nie im Unterricht. Sie schreibt mit dem Füller. Ihre Mappe ist sauber, ordentlich und vollständig. Sie hat Geschichte mit den Eintritt in die Oberstufe abgewählt. Geschichte interessiert sie nicht. So wie sie denken, reden, reagieren noch andere. Auch die wählen Geschichte ab.

Damit Sie keinen falschen Eindruck bekommen, es gibt auch die anderen. Diejenigen, die nachdenken, nachfragen. Die auf die Frage, welches der Ziele der Potsdamer Konferenz nach dem Ende des 2. Weltkriegs das wichtigste sei, mit „Entnazifizierung“ antworten und dies auch begründen. Die aber gleichzeitig erkenne, dass Entnazifizierung nicht so einfach ging, wie sich die Alliierten und hier speziell die Amerikaner das vorstellten. Sie verstehen, dass mit „Persilschein“ kein Einkaufsgutschein für Waschpulver, sondern ein Entlastungsschreiben für die Einstufung als „Entlastete“ oder „Mitläufer“ gemeint war, der von recht zweifelhaften war. Sie verstehen, warum die Amerikaner 1947 das Entnazifizierungsverfahren aufgaben, als die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion größer und der Wunsch nach einem Verbündeten in der Mitte Europas dringender wurde.

Ich bin sicher, dass diese Schüler sich in ihrer Hausaufgabe ernsthaft mit dem Textausschnitt beschäftigen werden, in dem der Philosoph Karl Jaspers sich mit der „Schuldfrage“ auseinandersetzt.

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Unsere „Reise in die Vergangenheit“ begann auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks „Phönix-West„, in dem noch bis 1998 Roheisen in Hochöfen hergestellt und anschließend mit dem „Feurigen Elias“ nach „Phönix-Ost“ transportiert wurde, um es dort zu hochwertigem Stahl weiter zu verarbeiten. [LINK]

2001 wurde das Stahlwerk geschlossen, Teile der Anlage nach China verkauft, von den Chinesen demontiert und in China wieder aufgebaut. Auf dem Brachgelände hieß es nach jahrelangen, aufwändigen (und teuren) Erdarbeiten Ende 2010 „Wasser marsch“, das Gelände wurde geflutet, es entstand der „Phönix-See“ [LINK]

Der  See hat eine Länge von ca. 1,2 Kilometern, eine Breite von ca. 300 Metern und ist etwa 3 m tief. Rund um den See führt ein etwa 3 km langer Fuß- und Radweg. Wir haben unseren kurzen Weg an der Westseite des Sees gestartet. Dort steht die „Hörder Burg“, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. [LINK]

Zu Zeiten der Phönix-Werke diente die Burg als Verwaltungsgebäude.

 

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Der Ausflug mit der besten Freundin führte in die Vergangenheit. Dorthin, wo vor x-zig Jahren ein kleines Mädchen wohnte und zur Schule ging. Dorthin, wo es spielte und die Freundinnen traf. Dorthin, wo früher der Weg am Werkstor enden musste. Heute darf die beste Freundin dort spazieren gehen und Fotos machen. Sicher mit gemischten Gefühlen. Es war schön, sie auf der Reise in die Vergangenheit zu begleiten.

Und es hat mir ganz viel Spaß gemacht, die Fotos zu bearbeiten. Ich habe eine Menge über Photoshop gelernt dabei.

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Weil ich nicht sicher bin, ob ich heute abend noch einmal Lust habe, an den PC zu gehen und meinen Tagesbericht für Frau Brüllens Aktion „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ zu schreiben, gebe ich jetzt schon einmal einen Zwischenstand. Eigentlich ist „mein Freitag“ – zumindest was das schulische Programm angeht – bereits seit 12 Uhr beendet. Dann beginnt nämlich freitags normalerweise mein Wochenende.

Heute gibt es allerdings ab 16 Uhr noch ein besonderes Highlight – den Elternsprechtag. 20 Elterngespräche im 5-Minuten-Takt stehen bis 18.30 Uhr auf meiner Anmeldeliste, alle betreffen SchülerInnen der Klassen 6 und 7. Am Dienstag folgt die zweite Runde, dann dauert der Tag bis 19.30 Uhr, damit auch die Eltern eine Möglichkeit zum Gespräch haben, die bis abends arbeiten müssen.

Die Liste

Die Liste

In diesem Jahr wurden zum ersten Mal Pausen in den Plan integriert. Heute einmal, am Dienstag zweimal 10 Minuten zum Pipimachen und/oder Luftholen. Oder auch um den Stau vor der Türe abzubauen, der immer dann entsteht, wenn das Gespräch über das übliche „Guten Tag, was kann ich für Sie tun? Alles in Ordnung so weit, Fritz könnte seine Übungsaufgaben sorgfältiger machen, Frieda sollte regelmäßig Vokabeln lernen, bitte kontrollieren Sie häufiger den Schulplaner, vielen Dank, auf Wiedersehen!“ hinausgeht.

Falls Sie ein Gespräch mit mir führen möchten, zwischen 18 Uhr und 18.30 habe ich noch Termine frei 😉

Und was gab es sonst noch heute?

  • Brötchen zum Frühstück
  • Geschichte bilingual in der 9 – Thema: NS – Zeit, heute: „The Blitz
  • Posterpräsentation in Klasse 7 – Thema: Holidays in Britain – Derzeitiger Posterfavorit ist ein Poster über Dover – Das Poster über Dublin musste leider disqualifiziert werden, Sie ahnen, warum?
  • Rückgabe der Klassenarbeit in Klasse 6 – Leider sechs Mal die Note 5 😦
  • Die Kollegin, die als nächste ein Baby erwartet, weiß nun, dass es ein Mädchen wird. Wir freuen uns mit ihr.

Ausblick auf den heutigen Abend: Der Mann an meiner Seite kümmert sich um einen geeigneten Ort, um bei einem netten Abendessen den Elternsprechtagsstress abzubauen. Ich lasse mich überraschen.

 

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Nicht „Save our Souls“ sondern „Save our Sounds“ ist das Motto des „Museum of Endangered Sounds„, das der Amerikaner Brendan Chilcutt im Internet eingerichet hat. Dort sammelt er Sounds, die vom Aussterben bedroht sind, wie das Geräusch einer Wählscheibe, eines Nadeldrucker oder einer Registrierkasse.

Es macht Spaß, die verschieden Bildchen anzuklicken und den historischen Geräuschen zu lauschen. Man kann auch mehrere gleichzeitig anklicken und ein nostalgisches Konzert erleben.

Entdeckt habe ich die Seite durch einen Artikel in der Sonntagsausgabe der F.A.Z.

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Mein Großvater war einer, mein Vater auch, jedenfalls bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Auch meine Mutter hat bei Krupp gearbeitet. Meine Großeltern wohnten in einer Firmenwohnung von Krupp. Und irgendwie waren alle stolz, Kruppianer (gewesen) zu sein.

Hart wie Kruppstahl …

Ein Highlight meiner Kindheit war der Besuch im „Kruppschen Konsum“, dem Kaufhaus für Kruppianer und ihre Familien. Ich erinnere mich an das Goldfischbecken im dortigen „Erfrischungsraum“ und an Kartoffelsalat mit Würstchen. Heute steht auf dem Gelände das Einkaufszentrum „Limbecker Platz“. Kartoffelsalat und Würstchen gibt es dort immer noch, Goldfischbecken nicht mehr.

Gestern kamen mir wieder ganz viele Erinnerungen an Erzählungen meiner Großeltern und Eltern in den Kopf, als ich die Sonderausstellung „Mythos Krupp“ im Ruhrmuseum auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein besuchte und vor den zahlreichen Vitrinen mit allerlei Erinnerungsstücken rund um die Firmen- und Familiengeschichte der Krupps stand.

Weg zur Austellung „Mythos Krupp“ im Ruhrmuseum Essen

Der „Mythos Krupp“ hat viele Facetten.

Da ist der Krupp, der Arbeitgeber für tausende Essener Familien ist, der „seine Arbeiter“ mit Privilegien ausstattet, ihnen Wohnungen gibt und Sozialversicherungen, ein Krankenhaus baut und ein Kaufhaus.

Da ist der Krupp, der nahtlose Eisenbahnräder schmiedet und der Kanonenkönig Krupp, der mit der „Dicken Bertha“ eine „Wunderwaffe“ für den 1. Weltkrieg baut.

Da ist der Krupp, der eine bedeutende Rolle zur Zeit der Nationalsozialisten und im 2. Weltkrieg spielt, der Zwangsarbeiter und Menschen aus Konzentrationslagern beschäftigt und der von den Alliierten verhaftet und in den Nürnberger Prozessen verurteilt wird.

Und da ist der Krupp, der die Firma in eine Stiftung verwandelt, die heute das vormalige Familienvermögen und das Erbe der Familie Krupp verwaltet und die ein umfangreiches Aktienpaket der Thyssen-Krupp AG hält und zudem gemeinnützige Projekte auf den Gebieten Sport, Kultur und Völkerverständigung unterstützt. Zuletzt hat sie sich am Neubau des Essener Folkwang-Museums mit 55 Mio € beteiligt.

Die Ausstellung ist noch bis November zu sehen und bietet auch die Gelegenheit für einen Spaziergang über das ehemalige Zechengelände und die Kokerei „Zollverein“. Dabei kommt man gar nicht umhin, zum wiederholten Male das Wahrzeichen der „schönsten Zeche der Welt“ im Foto festzuhalten, den wahrscheinlich meist fotografiertesten Fördertum der Welt.

Zeche Zollverein – Förderturm „Schacht XII“

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Lieblingsbeschäftigung am herbstlich grauen Sonntagnachmittag: Unterrichtsvorbereitung für den morgigen Marathon-Montag. Thema im Zusatzkurs Geschichte ist die „Weimarer Republik“. Da habe ich dann mal ein paar Stichwörter in eine Wordle-Wolke gepackt und ausgedruckt. Das wird den Schülerinnen und Schülern das eine oder andere Fragezeichen ins Gesicht zaubern.

Wordle: Deutschland 1918-1933  <– klick drauf!

Falls Sie auch Fragezeichen haben und gerne Ausrufezeichen draus machen wollen, empfehle ich einen Besuch bei LeMO, dem Geschichtsportal „Lebendiges Museum Online“. Viel Spaß.

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