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Posts Tagged ‘Abiturvorschläge’

Das Schöne am Zentralabitur ist die Tatsache, dass ich als Lehrerin keine Texte suchen, annotieren und mit einem Erwartungshorizont versehen muss, sondern dass mir diese Arbeit von der Bezirksregierung abgenommen wird. Also nicht wirklich von „der Bezirksregierung“, sondern von irgendwelchen Fachkolleginnen oder -kollegen, die an irgendeinem Gymnasium oder einer Gesamtschule in NRW in der Sekundarstufe II Englisch unterrichten und von „ihrer“ Bezirksregierung dazu verdonnert aufgefordert wurden, Vorschläge für die Abiturklausuren 2017 einzureichen. Vorteil: ich muss nicht die Weihnachtsferien mit Englischklausuren verbringen. Nachteil: meine Schüler müssen Texte unter Fragestellungen bearbeiten, die ich in der Form nicht formuliert hätte. Und ich muss das Geschriebene anhand eines Erwartungshorizontes korrigieren, den ich in der Form ebenfalls nicht formuliert hätte. Aber so ist das nun mal und es gibt Schlimmeres im Leben.

Manchmal überlege ich mir, was für ein Kollege oder eine Kollegin die Texte wohl ausgesucht und die Aufgabe gestellt hat. Jung oder alt? Gymnasium oder Gesamtschule? Welches Zweitfach? In diesem Jahr waren offensichtlich Kolleginnen und Kollegen am Werk, deren Zweitfach Erdkunde ist. In dem Mediationstext geht es um „Smart Cities: Wenn Konzerne Städte bauen“ und das Thema „Cities of the Future“. Selbstverständlich haben wir uns im Unterricht mit globalen Herausforderungen und Zukunftsvisionen beschäftigt, aber unser Schwerpunkt lag eher auf der künstlichen Intelligenz und utopischen und dystopischen Gesellschaften unter dem Einfluss der modernen Medien. Die Stadt der Zukunft hatten wir nicht im Focus.

Interessanterweise beschäftigt sich im zweiten Abiturvorschlag der Mediationstext, also der deutsche Text, dessen Inhalt die Schülerinnen und Schüler situationsgerecht in einen englischsprachigen Zieltext verwandeln müssen, ebenfalls mit einem Thema aus dem Erdkundeunterricht. Strukturwandel im Ruhrgebiet im Vergleich zur Entwicklung in Detroit.

Der literarische Text ist ein Auszug aus Margaret Atwoods Roman „The Heart Goes Last“ von 2015 und verlangt eine Analyse des Verhaltens der Protagonistin und eine Stellungsnahme zum Thema Zukunftsvisionen. Wir haben im Unterricht den Roman der Autorin „The Handmaid’s Tale“ gelesen und auch ein Interview mit Margaret Atwood analysiert.

Der Sachtext, ein Zeitschriftenartikel eines amerikanischen Autors, der am Beispiel von Detroit das Konzept des amerikanischen Traums kritisiert, verlangt eine Analyse der sprachlichen Mittel und der kommunikativen Strategien des Verfassers. Wir haben im Unterricht vor allem während des Präsidentschaftswahlkampfes in Amerika das Thema „American Dream – American Nightmare“ ausführlich diskutiert.

Wen wundert es, dass die Mehrzahl (19) meiner Abiturientinnen und Abiturienten freudig zum zweiten Vorschlag gegriffen hat, hier und da sogar ohne den literarischen Text auch nur eines Blickes zu würdigen. American Dream ist immer eine Bank, da meint man, sich auszukennen, da fühlt man sich sicher. Wenn man dazu auch noch Erdkunde und Sozialwissenschaften als zweites LK-Fach hat, dann ist auch Strukturwandel als Mediationsthema eine Bank. Für den Romanauszug von Frau Atwood haben sich nur drei Abiturienten entschieden.

Auf das Ergebnis bin ich wie immer gespannt. Ab morgen geht es ans Korrigieren. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Bleibt die spannende Frage, welche Themen sich die Damen und Herren in Düsseldorf für die Nachschreiber aufgespart haben. Am 16. Mai werden die beiden Kandidaten aus meinem Kurs ihre Englischklausur nachschreiben. Dann werden wir es wissen.

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