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Posts Tagged ‘Familie’

Als ich nach Hause komme, finde ich im Briefkasten die Todesanzeige der 89-jährigen Nachbarin. Eine „Ureinwohnerin“ dieser Häuserreihe ist für immer gegangen. Wie gerne hätte ich sie persönlich kennengelernt. Sie hätte mir sicher viel zur Entstehungsgeschichte der 1958 gebauten Häuser und der Siedlung erzählen können. Doch ich habe sie nie getroffen, da sie in den letzten Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen konnte. Als ich mich nach unserem Einzug bei ihr vorstellen wollte, öffnete sie die Türe nicht.

Heute habe ich eine Weile mit ihrem Sohn, der mit seiner Familie in Düsseldorf lebt, in „seinem“ Garten gesessen. Er erzählte mir von den letzten Lebenswochen seiner Mutter, die ihr Haus gerne „mit den Füßen zuerst“ verlassen hätte und deren Leben nun doch in einem Krankenhaus zu Ende ging. Wir haben über „alte Zeiten“ geredet, über Erfahrungen mit Haushaltsauflösungen und über seine Pläne für das Haus. Das Reihenendhaus seiner Eltern hat das größte und schönste Grundstück der Umgebung. Vermieten oder doch lieber Verkaufen? Ich denke, er wird es verkaufen. Er hat seine Wurzeln längst auf der anderen Rheinseite.

Der neue Besitzer kann sich freuen. Das Grundstück ist so groß, dass man noch ein Haus anbauen könnte. Baupläne dafür hatte der alte Hauseigentümer sogar schon erstellt. Er muss ein streitbarer Geist gewesen sein, der Herr Schreinermeister. Die Baugenehmigung für eine Garage hat er der Stadt nach jahrelangem Rechtsstreit abgerungen. Andere Nachbarn haben davon profitiert und auch Garagen auf ihren Grundstücken errichten können.

Familien- und Stadtgeschichte sind ein spannendes Thema.

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Die gute alte Zeit

Ein 4. Januar in den 60er Jahren. Geburtstagsfeier bei Onkel Hugo. Zwei-Zimmer-Wohnung, Wohnküche, das Kaffeewasser wird auf dem Kohleherd gekocht, der Kaffee aus Tassen mit Goldrand serviert. Nach dem Kaffeetrinken sind die Frauen in der Küche, Tante Else spült das Geschirr, die anderen weiblichen Verwandten trocknen ab. Ich darf zugucken und mit den Indianerfiguren von Cousin Horst spielen. Männergespräche gibt es in der „guten Stube“.

Zum Abendessen gibt es Muscheln, die der Onkel persönlich in einem großen schwarzen Emailletopf zubereitet. Ich mag die komischen Viecher nicht, probiere nur sehr zögerlich. Zum Essen gibt es Bier und Korn, den männlichen, markanten, dreifach gebrannten. Die Damen trinken Edelkirsch aus flachen Likörschalen. Ich darf das Glas meiner Mutter auslecken.

Die Toilette ist eine Treppe tiefer, wer ‚muss‘ bekommt einen Schlüssel mit Herzchenanhänger und eine Rolle Toilettenpapier. So braucht man nicht die zurechtgeschnittenen Zeitungsabschnitte benutzen, die an einer Schnur bereithängen. Es ist eisig kalt im Toilettenraum, kein Ort für lange ‚Sitzungen‘.

Bilder im Kopf, Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“.

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