Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Geschichte’

Im Kopf

„Ich hab alles im Kopf“, sprach der Schüler, der einen Vortrag zu Marco Polos Reisen im bilingualen Geschichtsunterricht auf Englisch halten sollte, als ich seine Präsentationskarten sehen wollte. Er durfte gleich als erster präsentieren. Danach war ihm klar, dass ein paar Notizen für ihn und die Zuhörer hilfreich gewesen wären. Man kann eben doch nicht alles im Kopf haben.

Read Full Post »

Der Urlaub war schön. Der Urlaub war erholsam. Wir hatten gutes Wetter, gutes Essen und gute Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen. Die meisten kamen aus England, aber wir trafen auch welche, die kamen aus Luxemburg oder aus der Schweiz. Wir haben viel gelernt über Pflanzen, über Gärten, über neue und alte Geschichte, über Kreuzfahrtschiffe und über die Herstellung von Granola und Brownies, über Menschen und Traditionen.

Die Wäsche ist schon wieder gewaschen und gefalten, die Reisetaschen unter dem Bett verstaut.

Die Schulbücher liegen bereit, jetzt mache ich mich daran, die Pläne für die ersten Schulstunden nach den Sommerferien zu erstellen.

Heute habe ich Unterrichtsinhalte für den bilingualen Geschichtskurs vorbereitet. Der wird sich zunächst mit „The Germans from a Roman Point of View“ beschäftigen und dabei lesen, dass in den Augen der Römer, die Gemeinsamkeit der Deutschen vor allem in ihrer Rolle als Barbaren (!!) im Kampf gegen das Römische Imperium lag. Den sie letztendlich im Teutoburger Wald gewannen. Varusschlacht, Sie wissen schon!

Am Donnerstag treffen sich viele Kollegen traditionsgemäß in der Schule, es gibt den Stundenplan und das große Jammern oder heimliche Jubilieren. Warten wir ab, in welchem Lager ich mich wiederfinden werde.

Read Full Post »

Auch wenn morgen und übermorgen noch einige weitere Schülerinnen und Schüler Abiturprüfungen absolvieren müssen, für mich ist das Abitur in diesem Jahr geschafft. 2001 war ich zum ersten Mal dabei – mit einem Leistungskurs in Englisch. In diesem Jahr war es „nur“ ein Grundkurs in Geschichte bilingual-englisch, ein kleiner Kurs, nur acht Schülerinnen und Schüler haben sich schließlich auf das Abitur vorbereitet. Drei davon haben eine mündliche Prüfung gemacht, nur eine Schülerin hat das Fach schriftlich gewählt. Sie ist in ihrer Klausur so weit von der Vornote abgewichen, dass sie heute ihre Leistung noch einmal mündlich unter Beweis stellen musste. Erfolgreich.

Im nächsten Jahr werde ich dann meinen Leistungskurs Englisch ins Abitur begleiten. Hoffentlich erfolgreich. Noch arbeiten wir an den verschiedenen Klausur- und Prüfungformaten. 2016 wird es zum ersten Mal eine Mediationsaufgabe in der Abiturklausur geben. Auf die Textauswahl für die schriftlichen Klausuren haben Lehrer seit der Einführung des Zentralabiturs keinen Einfluss mehr. Lediglich die Themen bereiten wir vor und üben die verschiedenen Methoden der Textanalyse. Und korrigieren müssen wir die Klausuren, das wird noch nicht zentral erledigt.

Auf dem Schreibtisch liegt gerade der letzte Klausurstapel für den Leistungskurs Englisch in diesem Schuljahr. Ein Text über die Auswirkungen von Globalisierung auf Fußball.

 

Read Full Post »

Als ich nach Hause komme, finde ich im Briefkasten die Todesanzeige der 89-jährigen Nachbarin. Eine „Ureinwohnerin“ dieser Häuserreihe ist für immer gegangen. Wie gerne hätte ich sie persönlich kennengelernt. Sie hätte mir sicher viel zur Entstehungsgeschichte der 1958 gebauten Häuser und der Siedlung erzählen können. Doch ich habe sie nie getroffen, da sie in den letzten Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen konnte. Als ich mich nach unserem Einzug bei ihr vorstellen wollte, öffnete sie die Türe nicht.

Heute habe ich eine Weile mit ihrem Sohn, der mit seiner Familie in Düsseldorf lebt, in „seinem“ Garten gesessen. Er erzählte mir von den letzten Lebenswochen seiner Mutter, die ihr Haus gerne „mit den Füßen zuerst“ verlassen hätte und deren Leben nun doch in einem Krankenhaus zu Ende ging. Wir haben über „alte Zeiten“ geredet, über Erfahrungen mit Haushaltsauflösungen und über seine Pläne für das Haus. Das Reihenendhaus seiner Eltern hat das größte und schönste Grundstück der Umgebung. Vermieten oder doch lieber Verkaufen? Ich denke, er wird es verkaufen. Er hat seine Wurzeln längst auf der anderen Rheinseite.

Der neue Besitzer kann sich freuen. Das Grundstück ist so groß, dass man noch ein Haus anbauen könnte. Baupläne dafür hatte der alte Hauseigentümer sogar schon erstellt. Er muss ein streitbarer Geist gewesen sein, der Herr Schreinermeister. Die Baugenehmigung für eine Garage hat er der Stadt nach jahrelangem Rechtsstreit abgerungen. Andere Nachbarn haben davon profitiert und auch Garagen auf ihren Grundstücken errichten können.

Familien- und Stadtgeschichte sind ein spannendes Thema.

Read Full Post »

… passierten wundersame Dinge in der Welt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, dass eine Sonnenfinsternis im Jahre 585 v. Chr. die westiranischen Meder und die kleinasiatischen Lyder nach sechs Jahren Krieg spontan zum Niederlegen der Waffen und zum Friedensschluss bewegte. Das würde ich mir für morgen überall auf der Welt wünschen.

Read Full Post »

Frau Brüllen will es mal wieder wissen. Und gerne schildere ich meinen „Fünften“ im September.

Ich stehe zur gewohnten „Schulzeit“ um 6.20 Uhr auf und absolviere das übliche Programm, sie wissen schon, waschen, schminken, frisieren, anziehen, während der Mann im Haus das Frühstück bereitet.

Um 7.30 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Schule, wo mich im Kopierraum bereits ein Riesenandrang erwartet und ich gut zehn Minuten warten muss, bis ich eine Folie mit den 50 Staaten der USA und ihren Hauptstädten für meinen Englischunterricht in „meiner 8“ kopieren kann.

Die SchülerInnen reagieren überrascht, mich bereits in der ersten Stunde zu sehen, sie hatten den Mathelehrer erwartet. Doch der ist für eine Stunde in einer der neuen fünften Klassen eingeteilt und ich „darf“ ihn vertreten.

Nachdem ich einen funktionierenden Overhead-Projektor gefunden habe, kann ich meine Folie präsentieren und wir vergnügen uns mit der Aussprache der Staaten, die nicht immer selbsterklärend ist. Zum Beispiel „Illinois“ und „Arkansas“ ohne „s“ am Ende, dafür „Massachussets“ mit reichlich „s“ und „tsch“ und „sch“ und „ts“ und was es da noch an Unregelmäßigkeiten gibt.

Gleichzeitig lernen wir, dass Baumwolle eine Pflanze ist, die im Englischen „cotton“ heißt und in flauschigen, weißen Bällen an der Pflanze wächst, bevor sie gepflückt, gekämmt, zu Fäden gesponnen und gefärbt wird, damit daraus T-shirts und Hosen entstehen können, in die ein Schildchen mit „100 % Cotton“ eingenäht ist. Ach sooooooo …

Wir lernen auch, dass in Texas Cowboys auf Pferden reiten und Tiere fangen, die entweder „cow“ oder „bull“ oder mit Sammelnamen „cattle“ und nicht „meat“ heißen. Ach wie romantisch …

Wir finden heraus, dass die „Rocky Mountains“ kein Staat sondern ein Gebirge und  „Silicon Valley“ kein Tal sondern eine Firmenstadt und die Wiege der Computer und Spielplatz von Bill Gates & Friends sind. Ach wirklich?

In den kommenden 14 Tagen wird jede und jeder einen Staat aus der Liste auswählen und eine kurze, interessante Präsentation vorbereiten. Muss jeder vortragen??? – Jaaaaa!!

Am Nachmittag kommt „das große Kind“ und wir lesen ihre Masterarbeit Korrektur. Es gibt schon viele Seiten und ein Ende ist definitiv abzusehen. Dennoch ist das Kind unzufrieden und sucht nach Ablenkung: Masterarbeit ist doof! – Gibt es was zu essen?

Teilchen auf dem Balkon

Teilchen auf dem Balkon

Tea for Two

Tea for Two

Der Rest des Tages und des Abends wird im Zeichen der Vorbereitung des morgigen Schultages stehen. Der lange Freitag mit zweimal Doppelstunde Geschichtsunterricht. Ich freue mich nicht wirklich darauf.

Read Full Post »

Ich kann keine Politik!“, antwortet die Schülerin auf meine Frage, warum Sie sich in der Geschichtsstunde nicht am Unterrichtsgespräch beteiligt hat. Sie meint damit, dass Sie nicht weiß, welche Aufgaben der Premierminister in Großbritannien hat oder wie sich das dortige Parlament zusammensetzt. Auch sind ihr die Abkürzungen CDU, CSU, SPD, FDP, KPD, SED ein Rätsel. Sie ist 15, in einem Jahr kann sie wählen in NRW. Ich sage ihr das und sie reagiert erschreckt: „Ich wähle doch nicht!“ Ich frage, warum nicht. „Ich hab doch keine Ahnung!“ Nun, dann ist es eigentlich gut, dass Sie nicht wählt, oder? Auf meine Frage, wie Sie denn dafür sorgen will, dass Ihre Interessen in der Politik vertreten werden, sagt sie … nichts.

Diese Schülerin geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums. Sie möchte 2016 das Abitur machen. Sie hört im Unterricht zu und redet nur selten mit ihren Nachbarinnen. Sie schreibt das Tafelbild sauber ab. Sie erledigt die Hausaufgaben, wenn es darum geht, Inhalte zusammenzufassen. Meist schreibt sie dabei längere Passagen aus dem Text ab, besonders wenn Wörter darin vorkommen, die sie nicht versteht. Sie kann Lehrbuchtexte weitgehend flüssig vorlesen. Sie fehlt so gut wie nie im Unterricht. Sie schreibt mit dem Füller. Ihre Mappe ist sauber, ordentlich und vollständig. Sie hat Geschichte mit den Eintritt in die Oberstufe abgewählt. Geschichte interessiert sie nicht. So wie sie denken, reden, reagieren noch andere. Auch die wählen Geschichte ab.

Damit Sie keinen falschen Eindruck bekommen, es gibt auch die anderen. Diejenigen, die nachdenken, nachfragen. Die auf die Frage, welches der Ziele der Potsdamer Konferenz nach dem Ende des 2. Weltkriegs das wichtigste sei, mit „Entnazifizierung“ antworten und dies auch begründen. Die aber gleichzeitig erkenne, dass Entnazifizierung nicht so einfach ging, wie sich die Alliierten und hier speziell die Amerikaner das vorstellten. Sie verstehen, dass mit „Persilschein“ kein Einkaufsgutschein für Waschpulver, sondern ein Entlastungsschreiben für die Einstufung als „Entlastete“ oder „Mitläufer“ gemeint war, der von recht zweifelhaften war. Sie verstehen, warum die Amerikaner 1947 das Entnazifizierungsverfahren aufgaben, als die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion größer und der Wunsch nach einem Verbündeten in der Mitte Europas dringender wurde.

Ich bin sicher, dass diese Schüler sich in ihrer Hausaufgabe ernsthaft mit dem Textausschnitt beschäftigen werden, in dem der Philosoph Karl Jaspers sich mit der „Schuldfrage“ auseinandersetzt.

Read Full Post »

Older Posts »