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Posts Tagged ‘Leistungskurs’

Dritte Stunde Leistungskurs. Thema: Shakespeare. Während nach einer gefühlten Ewigkeit alle ihre Unterlagen hervorgekramt haben und ich gerade die erste Frage gestellt habe, geht die Tür auf und Schüler A. kommt herein.

Entschuldigung die Verspätung, aber ich (bla, bla, bla)“

Er setzt sichauf seinen Platz. Gerade gehe ich daran, die verspäteten Minuten hinter seinem Namen in die Schülerliste einzutragen, als mir eine Idee kommt. In der 9. Klasse haben wir gerade damit begonnen, den Roman „The Giver“ von Lois Lowry zu lesen (Der Hüter der Erinnerungen). Gleich im ersten Kapitel erfährt der Leser etwas über die Regeln in der Schulgemeinschaft. Asher, einer der Jugendlichen der Gemeinschaft, kommt zu spät zum Unterricht. Er muss vor der Klasse stehen bleiben und die Standardentschuldigung vorbringen:

I apologize for inconveniencing my learning community.“ (Ich entschuldige mich dafür, meiner Lerngruppe Unannehmlichkeiten bereitet zu haben.) Danach folgt eine Erklärung der Verspätung und am Schluss noch einmal eine Entschuldigungsfloskel:

I apologize to my classmates.“ (Ich entschuldige mich bei meinen Klassenkameraden.)

Die Klasse antwortet mit der vorgeschriebenen Standardantwort:

We accept your apology, Asher.“ (Wir nehmen deine Entschuldigung an.)

Diesen Ausschnitt aus dem Roman lese ich den SchülerInnen des Kurse vor und bitte dann den Schüler A., sich auf die eben gehörte Weise zu entschuldigen. Ohne Widerspruch formuliert er die Entschuldigung auf die vorgegebene Weise und seine MitschülerInnen haben großen Spaß daran, seine Entschuldigung gemeinsam zu anzunehmen. Gut gelaunt fahren wir mit dem Unterricht fort.

Kurze Zeit später schreibe ich den Begriff „Shakespearean sonnet“ an die Tafel und mache dabei einen Schreibfehler (ein ‚i‘ hinter dem ‚r‘). Als ich den Fehler bemerke, korrigiere ich ihn und entschuldige mich. Heute allerdings nicht nur wie sonst mit „Sorry, my fault!„, sondern ganz formvollendet mit „I apologize to my students for the typo.“ Und sofort höre ich ein mehrstimmiges „We accept your apology, Mrs Ladybird.“

English lessons are fun, aren’t they? Unterricht kann wirklich Spaß machen!

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Wir bearbeiten in der heutigen Doppelstunde im Rahmen der Unterrichtsreihe zu „Britishness“ das Thema „The Royals“. Gemeinsam untersuchen wir einen Artikel aus einer britischen Zeitung auf sprachliche Hinweise zur Einstellung des Verfassers zur Monarchie und zur königlichen Familie. Wir finden heraus, dass der Autor eine positive Haltung zeigt und am Ende seines Artikels zu der Überzeugung kommt, die Royals „should be both thanked and pitied„, man müsse ihnen dankbar sein, sie aber gleichzeitig auch bedauern. Die Stunde ist fast vorbei, als in der letzten Reihe Unruhe entsteht. Ich frage nach der Ursache, erkundige mich bei der betreffenden Schülerin, ob sie noch eine Frage zu unseren Ergebnissen der Textanalyse habe. „Nein“, sagt sie, „ich habe mich nur gerade gewundert, dass alle im Kurs blaue Augen haben, nur ich nicht!

Blaue Augen? Royals? Blaues Blut! Ah, verstehe. Lern- und Stundenziel erreicht, oder?

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Falls Sie besonders schöne Träume haben, die sie archivieren möchten, dann scheint Amerika nach Ansicht dieses Abiturienten das richtige Reiseziel zu sein. Gute Reise!

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Auch wenn morgen und übermorgen noch einige weitere Schülerinnen und Schüler Abiturprüfungen absolvieren müssen, für mich ist das Abitur in diesem Jahr geschafft. 2001 war ich zum ersten Mal dabei – mit einem Leistungskurs in Englisch. In diesem Jahr war es „nur“ ein Grundkurs in Geschichte bilingual-englisch, ein kleiner Kurs, nur acht Schülerinnen und Schüler haben sich schließlich auf das Abitur vorbereitet. Drei davon haben eine mündliche Prüfung gemacht, nur eine Schülerin hat das Fach schriftlich gewählt. Sie ist in ihrer Klausur so weit von der Vornote abgewichen, dass sie heute ihre Leistung noch einmal mündlich unter Beweis stellen musste. Erfolgreich.

Im nächsten Jahr werde ich dann meinen Leistungskurs Englisch ins Abitur begleiten. Hoffentlich erfolgreich. Noch arbeiten wir an den verschiedenen Klausur- und Prüfungformaten. 2016 wird es zum ersten Mal eine Mediationsaufgabe in der Abiturklausur geben. Auf die Textauswahl für die schriftlichen Klausuren haben Lehrer seit der Einführung des Zentralabiturs keinen Einfluss mehr. Lediglich die Themen bereiten wir vor und üben die verschiedenen Methoden der Textanalyse. Und korrigieren müssen wir die Klausuren, das wird noch nicht zentral erledigt.

Auf dem Schreibtisch liegt gerade der letzte Klausurstapel für den Leistungskurs Englisch in diesem Schuljahr. Ein Text über die Auswirkungen von Globalisierung auf Fußball.

 

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Heute habe ich 45 Minuten lang junge Erwachsene gequält. Vielleicht sind Sie der Meinung, dass Lehrer ständig Kinder und junge Erwachsene quälen, indem sie Vokabeln abfragen oder das Lösen komplizierter Matheprobleme verlangen. Die betroffenen Jugendlichen hätten Ihnen zugestimmt, doch das, was ich ihnen heute zugemutet habe, geht weit über das hinaus, was ein normaler Schultag sonst für sie an Qualen bereit hält.

Meine Foltermethode bestand darin, den normalen Unterricht aus dem gewohnten Klassenraum in den Computerraum zu verlegen. Wieso, werden Sie sagen, Arbeiten am Computer macht doch viel mehr Spaß als Frontalunterricht im Klassenraum. Stimmt, aber nur dann, wenn man den Computer auch einschalten darf. Ich aber habe verlangt, dass die Jugendlichen 45 Minuten vor dem ausgeschalteten Bildschirm sitzen, die Tastatur vor sich, der Blick konzentriert nach vorne gerichtet. Das ist Folter, oder?

Allerdings wollte ich niemanden wirklich quälen, sondern meinen Leistungskursschülern die Gelegenheit geben, die von ihren Mitschülern vorbereiteten Powerpointpräsentationen zum Thema „Hinduism and Caste System in India“ und „Slums in India“ zu genießen. Aber für viele wurde das kein wirklicher Genuss.

Die Präsentationen waren informativ und gut gemacht, doch hatte ich den Eindruck, dass viele Schülerinnen und Schüler sich nicht so wirklich auf die Vorträge konzentrieren konnten. Immer wieder sah ich Hände über Tastaturen gleiten oder sehnsuchstvolle Blicke auf schwarze Bildschirme gerichtet, die hier und da sogar ein- und wieder ausgeschaltet wurden.

Und wie groß war die Erleichterung, als ich am Ende der Stunde verkündete, dass die Doppelstunde am Montag wieder im gewohnten Klassenraum stattfinden würde.

Doch zu früh gefreut. Auch am kommenden Freitag werde ich die Jugendlichen wieder der Computerraum-Folter aussetzen müssen, denn dies ist der einzige Ort, wo man ohne großen technischen Vorbereitungsaufwand Präsentationen sehen kann. Kaum ein Klassenraum in unserer Schule verfügt über einen fest installierten Beamer und wenn, dann muss der schuleigene Laptop umständlich zum Leben erweckt werden.

Medieneinsatz im Unterricht hat eben auch seine Tücken, jedenfalls an meiner Schule.

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Heute Morgen, 9 Uhr Ortszeit. Während auf den Straßen die Polizei damit beschäftigt ist, Fotos von Autofahrern zu machen, blicken viele Schüler und Lehrer gebannt auf braue Umschläge, in denen sich die Abituraufgaben für das Fach Englisch verbergen. Zwei verschiedene Vorschläge befinden sich in den Umschlägen, die von der Schulleitung getrennt nach Grundkurs und Leistungskurs geöffnet werden. Lehrer erhalten einen separten Umschlag mit den „Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen„, den sogenannten „Erwartungshorizont„.

Abi-Umschlag

Während einer 30-minütigen Auswahlzeit entscheiden sich LK-Schüler, ob sie sich mit der Frage „How India became America“ auseinandersetzen oder ein Gedicht eines zeitgenössischen britischen Dichters analysieren. GK-Schüler haben die Wahl zwischen einem Vergleich kommunikativer Strategien in einer politischen Rede mit der Darstellungsabsicht eines politischen Cartoons oder einer  Beschreibung von Charakterkonstellationen in der Eröffnungsszene von „Little Miss Sunshine„.

Bei den Prüflingen aus meinem Leistungskurs verkürzt sich die Auswahlzeit meist auf wenige Sekunden: Text anschauen, Gedicht sehen, zur Seite legen, Sachtext bearbeiten. Einige lesen zumindest die ersten Zeilen des Gedichts, bevor sie zum Sachtext greifen. Ganz wenige arbeiten mit einem Textmarker, schlagen Wörter im Wörterbuch nach und entscheiden sich dann doch für den Sachtext.

Gegen Ende meiner Aufsichtszeit im Prüfungsraum gehe ich noch einmal durch die Reihen und stelle fest, dass wohl niemand das Gedicht analysieren wird.

Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.

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Die letzten Tage waren stressig, fesselten mich stundenlang an den Schreibtisch. Das kommt davon, wenn man in den Ferien Ferien macht und nicht nur unterrichtsfreie Zeit für allerlei Schulaufgaben nutzt. Doch auch die dickste Klausurstapel ist einmal abgearbeitet.

korrigiert, benotet und unterschrieben

korrigiert, benotet und unterschrieben

Das Ergebnis ist insgesamt erfreulich. Klausuren zum literarischen Text (Arthur Miller, Death of a Salesman) fallen immer ein wenig besser aus als Klausuren zu Sachtextthemen. 2 SchülerInnen dürfen sich über 12 Punkte freuen (2+), 3 über 11 und 10 Punkte (2/2-). Es gibt keine mangelhafte Leistung 🙂

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