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Posts Tagged ‘Paris’

Wahrzeichen großer Städte werden in die Farben der Tricolore angestrahlt, in den öffentlichen Netzwerken wird Solidarität bekundet, virtuelle Kerzen angezündet, Mitgefühl geäußert, Schweigeminuten angekündigt.

Spontan habe ich mein Foto im sozialen Netzwerk auch mit der Tricolore überdeckt, um es dann kurz darauf wieder rückgängig zu machen. Es fühlte sich falsch an, unehrlich, befremdlich. Ich hatte das Gefühl, dass hier Trauer medial gehypt wird und will nicht mitmachen.

Ich persönlich trauere doch gar nicht, ich war nicht dabei, ich habe keinen Angehörigen, Freund oder Nachbarn verloren.

Und doch bin ich betroffen und mir fehlen die Worte bei so viel menschenverachtender Grausamkeit und brutalem Mord an unschuldigen Menschen.

Ich habe Mitleid und fühle mit denen, die durch diese wahnsinnigen Taten einen Angehörigen oder Freund verloren haben, auch wenn sie mein Mitgefühl nicht wirklich trösten kann.

Und ich bin wütend, weil ich nichts gegen diese Art von Gewalt tun kann.

Ich bin wütend, weil es Terroristen immer wieder gelingt, unschuldige Menschen in den Tod zu reißen.

Ich bin wütend, weil es weder der Polizei noch den Behörden der demokratischen Staaten in der Welt gelingt, solche Angriffe zu verhindern, weil sie die Hintermänner nicht finden und aus dem Verkehr ziehen können.

Ich habe Angst, weil ich sicher bin, dass Terroristen auch in Zukunft unschuldige Menschen töten werden.

Ich habe Angst, dass meine Familie, meine Freunde eines Tages auch betroffen sein könnten.

Ich habe Angst, wenn der französische Präsident von „Krieg“ spricht und wenn der Bundespräsident sagt, dass aus dem „Zorn über die Mörder von Paris“ Entschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft werden müsse und Deutschland „Seite an Seite mit Frankreich“ stehe. Was bedeutet das in der Praxis?

Was meint die Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft, wenn sie twittert: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden zeigen, dass unsere Demokratie stärker ist als Hass und Gewalt.“? Weiß sie, wie „wir“ das machen können, oder ist das lediglich ein politisches Lippenbekenntnis? Ich bin sicher, eine Antwort auf diese Frage würde auch die Angehörigen der vielen Opfer von Paris interessieren.

Wenn Europa am Montag um 12 Uhr eine Minute schweigt, dann werde ich schweigen und hoffen und wünschen, dass es Menschen in der Welt gibt, die über Religionen und Weltanschauungen hinweg zusammen einen Weg gegen den Terror finden, auch wenn ich jetzt gerade nicht weiß, wie das funktionieren soll.

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