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Posts Tagged ‘Unterricht’

Am letzten Mittwoch habe ich zum letzten Mal den Unterricht eines neuen Schuljahres begonnen.

So ist zumindest meine Planung, von der ich annehme, dass sie am 31.7.2019 Realität wird. Die Mitarbeiterin beim Dezernat für Personalangelegenheiten für Lehrerinnen und Lehrer hat mir den Eingang meines „Antrages auf vorzeitige Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses mit Ablauf des 31.7.2019“ bestätigt. Wenn ihr die Zustimmung des schulfachlichen Dezernats vorliegt, wird sie sich wieder bei mir melden. Ich habe keine Ahnung, ob selbiges Dezernat die Zustimmung verweigern kann, gehe einfach mal davon aus, dass diese Zustimmung lediglich eine Formsache ist und freue mich auf mein letztes Schuljahr.

Ab sofort werde ich in der Schule viele Dinge zum letzten Mal machen. Zum letzten Mal Konferenz zum Schuljahresbeginn, zum letzten Mal Klassenpflegschaftssitzung, zum letzten Mal Klassenlehrerin.

Auch zum letzten Mal fahre ich mit einer Abschlussklasse auf Kursfahrt. Am kommenden Sonntagabend um 20 Uhr geht es los. Wir fahren nach Cornwall und hoffen auf ein wenig spätsommerlichen Sonnenschein an der Atlantikküste. Wäre doch angemessen bei meiner letzten Kursfahrt, oder?

Von all den anderen Dingen, die ich in den kommenden Wochen und Monaten „zum letzten Mal“ mache, werde ich gerne in der  Kategorie „Letztmaliges“ hier berichten.

Ich freue mich schon jetzt auf ein Leben ohne Schule, das ich mir ein gutes Jahr vor dem gesetzlichen Rentenalter gönnen werde. Und damit ich mich schon einmal üben kann, wie es ist, weniger Zeit in der Schule und mehr zu Hause zu verbringen, sieht mein Stundenplan in diesem Schulhalbjahr einen freien Tag am Freitag vor.

Der Stundenplan für zukünftige Rentnerinnen

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Ich sitze während der Freistunde heute morgen bei geöffnetem Fenster im Lehrerarbeitsraum. Ich korrigiere Klassenarbeiten.

In einem Klassenraum in der Nähe ist offensichtlich ebenfalls das Fenster geöffnet, ich kann den Verlauf des Unterrichts akustisch verfolgen. Die Schüler reden durcheinander, begrüßen die Kollegin im Chor, reden weiter. Mehrfach versucht sich die Kollegin Gehör zu verschaffen, vergeblich. Dann die alles entscheidende Frage: „Hört mal einer zu?“ Die Antwort ist eindeutig, die Schüler reden munter weiter. Was ist das auch für eine komische Frage? Wie kann ihr jemand zuhören, wenn es doch gerade so wichtige Dinge untereinander zu besprechen gibt? Ob es sie trösten würde, wenn sie wüsste, dass zumindest ich ihr zuhöre?

Kurze Zeit später eine weitere Frage: „Hat jetzt jeder zwei Arbeitsblätter?“ Oh, eine Beruhigungsmaßnahme der besonderen Art. Und tatsächlich, es wird leiser, offensichtlich sind nun alle für eine Weile beschäftigt. Oder die Kollegin hat das Fenster geschlossen.

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Zu Beginn einer jeden Unterrichtsstunde kontrolliere ich die Anwesenheit und zeichne die mir vorgelegten Entschuldigungen ab. Dabei muss ich genau nachhalten, ob der/die Schüler/in Attestpflicht hat oder gar einen sogenannten „Laufzettel“ unterschreiben lassen muss. Schüler N. hat Attestpflicht. Ich darf seine Fehlstunden nur dann entschuldigen, wenn die Jahrgangsstufenleitung zuvor seinen Entschuldigungszettel mit „Attest liegt vor“ abgezeichnet hat.

Heute ist er schon einige Minuten vor Stundenbeginn im Kursraum. „Ich hätte da mal eine Frage wegen letztem Dienstag.“ Ich schaue in mein Kursheft und sehe, dass N. an diesem Tag gefehlt hat. Wir hatten Unterricht in der 5. und 6. Stunde. „Ich bin nämlich nach Hause gefahren. Weil wir haben einen neuen Hund. Und als ich dann losgehen wollte, kam das Unwetter. Und da konnte ich keinen Schirm nehmen.

Der Schüler macht eine Sprechpause … wird er mir jetzt erzählen, er habe nicht kommen können, weil der neue Hund Angst vor Unwetter hat? Oder weil der sich erschreckt, wenn er N. mit einem Schirm sieht? Oder weil der Hund vor der Tür lag, hinter der der Schirm war?

Bevor ich weiter Überlegungen anstellen kann, spricht er weiter. „Wegen dem Gewitter. Da hatte ich zu viel Angst. Wegen dem Schirm. Ich weiß nicht, ob Sie das entschuldigen.

Ich weiß es auch nicht, die Geschichte ist schon viel zu verworren, um nur eine Ausrede zu sein. Doch ohne Attest darf ich Fehlstunden nicht entschuldigen. Wird er einen Arzt finden, der ihm „Angst vor Unwetter“ bescheinigt? Vielleicht kann er auch ein Attest vom Tierarzt bekommen, der ihm bestätigt, dass er sich dringend um den neuen Hund kümmern musste, weil der Angst vor Gewitter hat. Mal sehen, wie die Jahrgangsstufenleitung entscheidet, wenn er dort seine Hunde-Schirm-Unwetter-Geschichte vorträgt.

Auf jeden Fall rangiert die Geschichte auf der Skala der fantasievollen Entschuldigungen ganz weit oben.

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Gerade arbeite ich mit „meinen“ Fünftklässlern am Thema „Birthday party“. Sam, eines der Schulbuch-Kinder hat bald Geburtstag. Mit Hilfe seiner Großmutter backt er einen Geburtstagskuchen. Dabei lernen die SchülerInnen allerlei Wortschatz, der zum Verstehen englischer Backrezepte nützlich sein kann. Im Buch lesen wir ein Rezept für chocolate crispies.

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English for chocolate junkies

Wir schreiben eine Einkaufsliste, auf der nur drei Dinge stehen, Schokolade (Zartbitter), Reiscrispies oder Cornflakes und Rosinen. Das Entschlüsseln der Zubereitung ist für Sprachanfänger nicht ganz so einfach. Doch mit vereinten Kräften finden wir heraus, dass wir keinen Backofen brauchen. Wir müssen die Schokolade schmelzen. Nein, nicht in der Microwelle und auch nicht im heißen Wasser, sondern in einer Schüssel über heißem Wasser. (Keiner kennt das Wort „Wasserbad“). Dann 4 (besser 5!) Esslöffel Reiscrispies dazu. Nein, nicht mit dem Mixer rühren, sondern mit dem Löffel mischen (mix).

Kurz vor Ende der Stunde haben wir das Rezept endlich entschlüsselt, wichtige Wörter an die Tafel und ins Heft geschrieben und uns eine Belohnung verdient. Ich hole eine Schüssel aus dem Beutel, der sonst zum Transport der Klassenarbeitshefte dient und lasse sie herumgehen. Jeder und jede darf sich ein chocolate crispy herausnehmen und probieren.

Anmerkung: Ich habe die Zutaten aus dem Rezept verdoppelt, damit es für 33 SchülerInnen reicht. Statt jedes crispy in ein Papierförmchen zu tun, habe ich sie auf Backpapier erkalten lassen. Ich habe nur 25 g Zartbitterschokolade verwendet und 100 g Vollmilch-Schokohase. Eine gute Resteverwertung.

Nachdem auch die zufällig hereinkommende Klassenlehrerin eine Kostprobe bekommen hatte, blieb ein Stück übrig.

Bitte bedienen Sie sich:

chococrispies

 

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Heute habe ich 45 Minuten lang junge Erwachsene gequält. Vielleicht sind Sie der Meinung, dass Lehrer ständig Kinder und junge Erwachsene quälen, indem sie Vokabeln abfragen oder das Lösen komplizierter Matheprobleme verlangen. Die betroffenen Jugendlichen hätten Ihnen zugestimmt, doch das, was ich ihnen heute zugemutet habe, geht weit über das hinaus, was ein normaler Schultag sonst für sie an Qualen bereit hält.

Meine Foltermethode bestand darin, den normalen Unterricht aus dem gewohnten Klassenraum in den Computerraum zu verlegen. Wieso, werden Sie sagen, Arbeiten am Computer macht doch viel mehr Spaß als Frontalunterricht im Klassenraum. Stimmt, aber nur dann, wenn man den Computer auch einschalten darf. Ich aber habe verlangt, dass die Jugendlichen 45 Minuten vor dem ausgeschalteten Bildschirm sitzen, die Tastatur vor sich, der Blick konzentriert nach vorne gerichtet. Das ist Folter, oder?

Allerdings wollte ich niemanden wirklich quälen, sondern meinen Leistungskursschülern die Gelegenheit geben, die von ihren Mitschülern vorbereiteten Powerpointpräsentationen zum Thema „Hinduism and Caste System in India“ und „Slums in India“ zu genießen. Aber für viele wurde das kein wirklicher Genuss.

Die Präsentationen waren informativ und gut gemacht, doch hatte ich den Eindruck, dass viele Schülerinnen und Schüler sich nicht so wirklich auf die Vorträge konzentrieren konnten. Immer wieder sah ich Hände über Tastaturen gleiten oder sehnsuchstvolle Blicke auf schwarze Bildschirme gerichtet, die hier und da sogar ein- und wieder ausgeschaltet wurden.

Und wie groß war die Erleichterung, als ich am Ende der Stunde verkündete, dass die Doppelstunde am Montag wieder im gewohnten Klassenraum stattfinden würde.

Doch zu früh gefreut. Auch am kommenden Freitag werde ich die Jugendlichen wieder der Computerraum-Folter aussetzen müssen, denn dies ist der einzige Ort, wo man ohne großen technischen Vorbereitungsaufwand Präsentationen sehen kann. Kaum ein Klassenraum in unserer Schule verfügt über einen fest installierten Beamer und wenn, dann muss der schuleigene Laptop umständlich zum Leben erweckt werden.

Medieneinsatz im Unterricht hat eben auch seine Tücken, jedenfalls an meiner Schule.

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Tafelbilder sind ein wichtiger Bestandteil meines Unterrichts, da die technische Ausstattung unserer Schule wenig Alternativen bietet.

Bild 1: Klasse 5

Tafelbild 1: Klasse 5 – Textarbeit – Sammeln von Informationen über Schüler, Lehrer und Hausmeister an der Thomas Tallis Schule (die es in Greenwich wirklich gibt)

Im Klassenraum der 5er gibt es zusätzlich zur Tafel einen Overheadprojektor. Interaktive Whiteboards gibt es nur in den naturwissenschaflichen Räumen. Einen Beamer, an den ich mein Notebook anschließen könnte, gibt es außer in den Naturwissenschaften nur in einigen wenigen Räumen im Oberstufenbereich, „mein“ Raum hat keinen. Einen OHP gibt hier ebenfalls nicht. Wenn ich Folien nutzen möchte, hole ich einen Projektor aus einem zentralen Raum (wenn einer da ist und dieser nicht defekt ist).

LK English

Tafelbild 2: Leistungskurs Englisch – Ergebnissicherung einer Textarbeit in Kleingruppen zum Thema American Dream

Kreide ist an unserer Schule übrigens ausreichend vorhanden und kostenlos. Ich habe immer einen Vorrat in der Tasche.

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4 Unterrichtstage + 1 Konferenztag + 1 Klassenausflugstag + 1 Sportfesttag + 1 Zeugnistag = SOMMERFERIEN

oder:

5 x 6b + 2 x 8b = SOMMERFERIEN

Klingt irgendwie überschaubar 🙂

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Ich bedanke mich bei der Klasse 8b für den freien Tag, den sie mir morgen schenkt, weil alle Achtklässler zur Zeit in der Schweiz zum Skifahren sind und die morgige Doppelstunde Englisch deshalb ausfällt. Und weil auch kein Vertretungsunterricht in der Zeit zwischen halb zwölf und halb zwei notwendig ist, darf ich zu Hause bleiben. 🙂 🙂 🙂

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Wochenaufgabe für die Achtklässler: Present your favourite film and say why you like it. Leider haben [mal wieder] nicht alle die Aufgabe bearbeitet. Die anderen schreiben ihren [englischen] Filmtitel an die Tafel. Eine bunte Mischung.

My favourite film

What’s your favourite film?

Ich gestehe, dass ich nicht alle Filme gesehen und von drei Filmen auch noch nie etwas gehört habe [Pitch Perfect / Step up Miami / Man]. Je zwei Präsentationen der Filme werden wir als Stundeneinstieg in den kommenden Wochen hören, danach bin ich bestimmt schlauer 😉

Welchen Film hätten Sie an die Tafel geschrieben?

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Ich korrigiere LK-Klausuren.

Thema: Shakespeare – Romeo and Juliet.

Aufgabe 1) Summarize … 2) Analyse … 3) Comment on …

Die ersten beiden Aufgaben sind im Ergebnis eher unspektakulär für den korrigierenden Leser. Die Schülerinnen und Schüler fassen zusammen und versuchen, sich dabei auf das Wesentliche zu beschränken ohne das Wichtige zu vergessen. Sie versuchen zu analysieren und dabei wesentliche Stilmittel nicht nur zu benennen, sondern auch deren Funktion und Wirkungsweise zu analysieren und dabei den geforderten Interpretationswortschaft richtig zu verwenden (images, metaphors, personification, repetitions, oxymorons und was sich noch so im Textausschnitt verbirgt). Mit unterschiedlichem Erfolg.

In der 3. Aufgabe haben sie dann die Wahl: Entweder sie schreiben eine Szene, die sich aus dem vorausgegangenen Dialog ergibt (in modernem Englisch) oder sie nehmen Stellung zu der Frage, ob Shakespeare im 21. Jahrhundert noch Faszination auf ein junges Publikum ausüben kann und diskutieren das Für und Wider von Shakespeare im Englischunterricht.

10 von 19 SchülerInnen haben diesmal die Stellungnahme gewählt und manche habe dabei ziemlich dick aufgetragen.

Kostproben gefällig?

Romeo and Juliet was, is and will be the best reading matter for school because it includes everything a pupil wants to read in a drama.“

(Und was genau ist dieses „everything“, das ein Schüler lesen möchte?)

Pupils should study Shakespeare in school because he writes about contemporary problems and about love as the most interesting but also most dangerous experience in our life.“

(Oh, Liebe eine gefährliche Erfahrung … das wäre schon wieder ein Erörterungsthema für sich.“)

I think problems like those in „Romeo and Juliet“ are timeless and always worth dealing with.“

(Ja, durchaus, I agree.)

This story will never grow old.“

(Ein wenig einfallsreiches Statement.)

Although Mr Shakespeare has caused quite a headache and has driven pupils to desperation, he is a genius in what he did.“

(Verstehe ich richtig, Herr Shakespeare ist genial, weil er tausenden Schülern Kopfschmerzen bereitet und sie in die Verzweiflung getrieben hat?)

I think to teach Shakespeare in English classes is important to keep the British culture alive.“

(Nun, dann habe ich mein Bestes getan, um die britische Kultur am Leben zu halten.)

Auch kritische Stimmen möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

I understand that Shakespeare’s work is an important part of British literature, but would it not be better if only students in the UK had to read it? They speak English fluently.“

(Ob es britischen Schülern beim Verständnis von Shakespeares Dramen hilft, wenn sie fließend Englisch sprechen?)

If somebody wants to read Shakespeare, they shall do it at home, so they are not forced to understand it and will not get bad marks in school when they do not understand what he wants to say.“

(Verstehe, Shakespeare in der Schule verbieten und dann lesen ihn alle heimlich zu Hause. Das ist cool. Finger hoch, wer ist dafür?)

Und schließlich noch folgende Feststellung:

Reading and understanding Shakespeare costs a lot of time because you have to prepare tons of notes for your exam.“

(Tonnen von Notizen habe ich nicht bei jedem gefunden, dessen Aufzeichnungen aus dem Unterricht ich eingesammelt habe.)

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