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Die schriftlichen Abiturprüfungen sind vorbei, die Klausuren korrigiert, am Mittwoch bei den mündlichen Prüfungen im 4. Abiturfach bin ich nicht im Einsatz. Das Leben könnte so schön sein, hätte nicht einer meiner LK-Schüler auch den zweiten Nachschreibtermin im Zentralabitur wegen Krankheit versäumt. Nun muss ich ganz allein für ihn zwei neue Prüfungsaufgaben erstellen, das Ministerium ist raus aus der Nummer, wird jedoch meine Vorschläge auf das Genaueste prüfen, damit der Kandidat bei seinem dritten und hoffentlich letzten Termin keinerlei Vorteile gegenüber den anderen Prüflingen hat.

Seit letztem Mittwoch verbringe ich jede freie Minute am Schreibtisch, durchforste Bücher und Suchmaschinen, um thematisch passende englische Texte zu finden. Die Aufgabensammlungen der Verlage sind tabu, da der Schüler – zumindest theoretisch – Zugang dazu haben könnte. Die Texte dürfen zudem eine bestimmte Länge nicht überschreiten, müssen also ggf. gekürzt werden, ohne die Aussageabsicht und Argumentationsstruktur des Autors zu verfälschen. Der Prüfling hat Anspruch auf zwei  verschiedene Textvorlagen, einen literarischen Text (Roman- oder Dramenauszug, Kurzgeschichte, Gedicht) und einen Sachtext (Zeitungsartikel, Redebeitrag, Essay), er wählt während der Prüfung einen davon zur Bearbeitung aus.

Zu jedem englischen Text gibt es noch eine Mediationsaufgabe, d.h. der Prüfling bekommt einen deutschen Sachtext, den er für einen fiktiven englischsprachigen Partner sinngemäß zusammenfassen und kommentieren muss.

Ein Aufgabenpaket, den literarischen Text, habe ich heute abgeschlossen. Die meiste Zeit habe ich für die Formulierung der zu erwartenden Schülerleistung gebraucht. Es müssen ganz bestimmte Formulierungen verwendet werden, damit die Fachdezernentin die Aufgaben auch akzeptiert. Am Mittwoch werden meine Vorschläge ins Fachdezernat nach Düsseldorf übermittelt werden, danach heißt es Daumen drücken, dass meine Vorschläge akzeptiert werden. Und dann noch mal Daumendrücken, dass der Prüfling zum dritten Prüfungstermin auch erscheint. Wenn nicht … keine Ahnung wie oft ein Attest akzeptiert wird. Aber das ist nicht meine Entscheidung.

Das meint zumindest der Abiturient, dessen Klausur zum Thema „American Dream“ ich heute als letztes gelesen und korrigiert habe.

It would be illogical if everyone who is working hard could succeed in life.

Meint er das ernst, ironisch, sarkastisch, resigniert? Oder meint er gar nicht „unlogisch“ sondern „unrealistisch“?

Ich denke, es wäre durchaus logisch, wenn harte Arbeit zu Erfolg führen würde, auch wenn es nicht realistisch und äußerst unwahrscheinlich ist. Das werden alle bestätigen, die sich jeden Tag den Popo aufreißen für Chef und Unternehmen und trotzdem noch nicht wirklich auf den berühmten „grünen Zweig“ gekommen sind.

Meine Abiturienten lassen sich in drei Kategorien einordnen:

Die einen haben hart gearbeitet und einen angemessenen Erfolg erreicht. Logisch?

Die anderen haben hart gearbeitet und trotzdem nicht das erwünschte Ergebnis erhalten. Unlogisch?

Und die dritte Gruppe hat gar nicht gearbeitet und es doch irgendwie geschafft, ein Defizit zu vermeiden. Unlogisch? Ungerecht?

Erst in 10 Jahren, wenn die diesjährigen Abiturienten ihre Klausuren in der Schule abholen dürfen, könnte ich herausfinden, wie dieser Satz gemeint war. Vielleicht ist der Verfasser bis dahin erfolgreich geworden. Vielleicht hat er hart dafür gearbeitet. Oder Glück gehabt. Ich wünsche es ihm, auch wenn er zu denen gehört hat, die sich im Unterricht nicht durch harte Arbeit ausgezeichnet haben.

Falls Sie besonders schöne Träume haben, die sie archivieren möchten, dann scheint Amerika nach Ansicht dieses Abiturienten das richtige Reiseziel zu sein. Gute Reise!

Das Schöne am Zentralabitur ist die Tatsache, dass ich als Lehrerin keine Texte suchen, annotieren und mit einem Erwartungshorizont versehen muss, sondern dass mir diese Arbeit von der Bezirksregierung abgenommen wird. Also nicht wirklich von „der Bezirksregierung“, sondern von irgendwelchen Fachkolleginnen oder -kollegen, die an irgendeinem Gymnasium oder einer Gesamtschule in NRW in der Sekundarstufe II Englisch unterrichten und von „ihrer“ Bezirksregierung dazu verdonnert aufgefordert wurden, Vorschläge für die Abiturklausuren 2017 einzureichen. Vorteil: ich muss nicht die Weihnachtsferien mit Englischklausuren verbringen. Nachteil: meine Schüler müssen Texte unter Fragestellungen bearbeiten, die ich in der Form nicht formuliert hätte. Und ich muss das Geschriebene anhand eines Erwartungshorizontes korrigieren, den ich in der Form ebenfalls nicht formuliert hätte. Aber so ist das nun mal und es gibt Schlimmeres im Leben.

Manchmal überlege ich mir, was für ein Kollege oder eine Kollegin die Texte wohl ausgesucht und die Aufgabe gestellt hat. Jung oder alt? Gymnasium oder Gesamtschule? Welches Zweitfach? In diesem Jahr waren offensichtlich Kolleginnen und Kollegen am Werk, deren Zweitfach Erdkunde ist. In dem Mediationstext geht es um „Smart Cities: Wenn Konzerne Städte bauen“ und das Thema „Cities of the Future“. Selbstverständlich haben wir uns im Unterricht mit globalen Herausforderungen und Zukunftsvisionen beschäftigt, aber unser Schwerpunkt lag eher auf der künstlichen Intelligenz und utopischen und dystopischen Gesellschaften unter dem Einfluss der modernen Medien. Die Stadt der Zukunft hatten wir nicht im Focus.

Interessanterweise beschäftigt sich im zweiten Abiturvorschlag der Mediationstext, also der deutsche Text, dessen Inhalt die Schülerinnen und Schüler situationsgerecht in einen englischsprachigen Zieltext verwandeln müssen, ebenfalls mit einem Thema aus dem Erdkundeunterricht. Strukturwandel im Ruhrgebiet im Vergleich zur Entwicklung in Detroit.

Der literarische Text ist ein Auszug aus Margaret Atwoods Roman „The Heart Goes Last“ von 2015 und verlangt eine Analyse des Verhaltens der Protagonistin und eine Stellungsnahme zum Thema Zukunftsvisionen. Wir haben im Unterricht den Roman der Autorin „The Handmaid’s Tale“ gelesen und auch ein Interview mit Margaret Atwood analysiert.

Der Sachtext, ein Zeitschriftenartikel eines amerikanischen Autors, der am Beispiel von Detroit das Konzept des amerikanischen Traums kritisiert, verlangt eine Analyse der sprachlichen Mittel und der kommunikativen Strategien des Verfassers. Wir haben im Unterricht vor allem während des Präsidentschaftswahlkampfes in Amerika das Thema „American Dream – American Nightmare“ ausführlich diskutiert.

Wen wundert es, dass die Mehrzahl (19) meiner Abiturientinnen und Abiturienten freudig zum zweiten Vorschlag gegriffen hat, hier und da sogar ohne den literarischen Text auch nur eines Blickes zu würdigen. American Dream ist immer eine Bank, da meint man, sich auszukennen, da fühlt man sich sicher. Wenn man dazu auch noch Erdkunde und Sozialwissenschaften als zweites LK-Fach hat, dann ist auch Strukturwandel als Mediationsthema eine Bank. Für den Romanauszug von Frau Atwood haben sich nur drei Abiturienten entschieden.

Auf das Ergebnis bin ich wie immer gespannt. Ab morgen geht es ans Korrigieren. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Bleibt die spannende Frage, welche Themen sich die Damen und Herren in Düsseldorf für die Nachschreiber aufgespart haben. Am 16. Mai werden die beiden Kandidaten aus meinem Kurs ihre Englischklausur nachschreiben. Dann werden wir es wissen.

Vor einiger Zeit hatte ich (hier) von unserer Spaghetti-Eis-Ersatztorte berichtet. Die war zwar grundsätzlich lecker, aber als schnelle Torte insofern nicht geeignet, als die Kirschmasse erst am nächsten Tag wirklich schnittfest war. Deshalb habe ich am letzten Sonntag die Torte noch einmal gebacken und diesmal die Flüssigkeitsmenge für die Kirschfüllung reduziert. Statt mit den üblichen 500 ml Flüssigkeit habe ich den Vanillepudding lediglich mit 300 ml Kirschsaft zubereitet, gerade die Menge, die ich beim Abtropfen der Kirschen aufgefangen hatte.

Wenn man die Kirschen unter die fertige Kirschpuddingmasse rührt, wird diese sehr schnell fest. Deshalb muss man sie zügig auf dem Biskuitboden verteilen und mit dem zweiten Biskuitboden abdecken. Nach kurzer Abkühlzeit (ca. 15 Minuten) habe ich die steifgeschlagene Sahne daraufgestrichen und die Torte dann für weitere 45 Minuten in den Kühlschrank gestellt.

Die Torte war schnittfest, obwohl die Kirschen noch lauwarm waren. Es hat uns köstlich geschmeckt. Ich denke, ich werde das Rezept nun so in meine Sammlung für das Sonntagsbacken aufnehmen.

Schneller Sonntagskuchen – Kirsch-Sahne-Torte

Wenn Sie regelmäßig hier lesen, dann wissen Sie, dass ich mehrmals im Jahr zusammen mit dem Lieblingsmenschen Ausflüge auf meine Lieblingsinsel mache. Wir nehmen gerne das Auto mit auf die Insel, weil wir doch immer die eine oder andere Kleinigkeit finden, die wir einkaufen möchten und da ist so ein Kofferraum in einem Kombi schon sehr praktisch.

Bisher sind wir immer mit der Fähre auf die Insel gefahren. Entweder von Calais oder von Dunkerque (Dünkirchen) in Frankreich. Die Überfahrt dauert 1 Stunde von Calais oder 90 Minuten von Dunkerque. Dazu kommt die Wartezeit beim Check-In und bis zur Abfahrt der Fähre. Bei der Ankunft in Dover dauert es wieder eine ganze Weile, bis wir uns durch den Hafenbereich Richtung Autobahn geschlängelt haben, immer hinter den zahlreichen LKWs her, die mit uns die Überfahrt gemacht haben.

Der schnellere Weg auf die Insel geht durch den Kanaltunnel. Dabei fahren die Autos in Coquelles bei Calais in den Eurotunnel Le Shuttle, einen Autozug, der sie dann durch eine Röhre unter dem Ärmelkanal auf die Insel nach Folkstone transportiert. Fahrer und Mitfahrer bleiben im Fahrzeug sitzen, die Fahrt dauert nur 35 Minuten. Der Check-In erfolgt an einem Automaten und nach der Ankunft in Folkstone ist man nach wenigen Minuten auf der Autobahn A 2o Richtung Norden.

Wir haben in diesen Ferien den Shuttle zum ersten Mal genutzt. Bisher hatten uns zwei Dinge davon abgehalten. Zum einen die Vorstellung, während der Überfahrt unter Wasser in einer Art Metallschachtel eingesperrt zu sein und zum anderen der hohe Preis für eine Unterwasserfahrt. Der Betreiber des Autozugs bietet allerdings zu weniger frequentierten Zeiten und für Kurzaufenthalte günstigere Preise an. So kam es, dass wir am Dienstag vor Ostern für insgesamt 69 Euro einen Kurztrip auf die Insel machen konnten.

Wir waren von der Unterwasserfahrt begeistert, so schnell haben wir es noch nie auf die Insel geschafft. Wir haben zwei erholsame Tage dort verbracht. Wir haben die englische Sonne genossen, ein Castle besichtigt, bei einer Greifvogelschau zugeschaut, Fish and Chips gegessen und ein paar Pfund in den örtlichen Geschäften gelassen und in einem ehrwürdigen Landhotel übernachtet.

Auf dem Rückweg habe ich mit meinem Smartphone einen kleinen Film gedreht, der einen Eindruck von der Einfahrt in den Shuttle gibt:

In diesem Jahr genieße ich die Osterferien besonders deswegen, weil es keine Korrekturstapel auf dem Schreibtisch gibt. Die Ruhe vor dem (Abitur) Sturm sozusagen. Auch die Aussicht auf einen stark reduzierten Stundenplan, der mir durch den Wegfall von fünf Leistungskursstunden einige kurze Tage bescheren wird, lässt mich entspannt dem Zeitraum bis zu den Sommerferien entgegenblicken.

Bisher waren die Ferien sehr kurzweilig. Der Besuch des Lieblingsbabys bildete den Auftakt, ein kurzer Abstecher auf meine Lieblingsinsel und ein anschließender Ausflug zur besten Freundin am östlichen Rand des Ruhrgebietes stimmten mich auf Ostern ein. Die Highlights der zweiten Ferienwoche waren bisher der gestrige Friseurbesuch und das heutige Mittagessen mit der Lehrerfreundin. Morgen treffe ich das große Kind zum Currywurst-Essen im Medienhafen der Landeshauptstadt und fahre anschließend zum blau-gelben Möbelhaus, um meiner neuen Hausbewohnerin einen Platz neben meinem Schreibtisch einzurichten. (Nein, ich kaufe keinen Hundekorb und auch keinen Kratzbaum für eine Katze!).

Waren die Osterferien früher nicht 3 Wochen lang? Ich hätte nichts dagegen, noch eine weitere Woche ohne Stundenplan zu leben.